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Gastbeitrag / Claudia Brauer / Freitag 29.10.21

Music Data Ana­ly­tics – Digi­ta­le Daten­ana­ly­sen in der Musikindustrie

Die Musik­in­dus­trie gehört zu einem der wachs­tums­stärks­ten Wirt­schafts­sek­to­ren welt­weit und erwirt­schaf­te­te im Jahr 2019 ein Gesamt­um­satz­vo­lu­men von 20,2 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Davon ent­fal­len 12,9 Mil­li­ar­den US-Dol­lar durch Strea­men und Her­un­ter­la­den von Musik auf den digi­ta­len Musik­markt (Ing­ham et al., 2020, o.S.). Durch die einer­seits per­ma­nen­te Nut­zung von Musik­strea­ming­diens­ten und ande­rer­seits die inten­si­ve Inter­ak­ti­on mit sozia­len Medi­en durch Nut­ze­rIn­nen ent­ste­hen gro­ße Datenmengen.

Bei­spiels­wei­se kre­ieren Spo­ti­fy-Nut­ze­rIn­nen täg­lich bis zu 600.000 Giga­byte (Byers, 2019). Dem­zu­fol­ge hat auch die Musik­in­dus­trie bereits vor eini­ger Zeit die Bedeu­tung die­ser Daten­men­gen zu Ana­ly­se­zwe­cken erkannt. Mit­tels Music Ana­ly­tics sind Musik­un­ter­neh­men, unter Anwen­dung maschi­nel­len Ler­nens und künst­li­cher Intel­li­genz in der Lage Algo­rith­men zu ent­wi­ckeln, die u.a. die Vor­her­sa­ge von Markt­sze­na­ri­en in der Musik­in­dus­trie ermög­li­chen und dem­zu­fol­ge den Musik­markt grund­le­gend ver­än­dern kön­nen. McK­in­sey (2019) und Marr (2019) neh­men an, dass „min­des­tens 70 Pro­zent der am glo­ba­len Markt agie­ren­den Musik­un­ter­neh­men die Tech­no­lo­gie des Music Data Ana­ly­tics bis ins Jahr 2030 für die Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­pro­zes­se bereits in deren Unter­neh­mens­stra­te­gien adap­tiert haben werden“.

Grund­sätz­lich wird Music Data Ana­ly­tics als eine digi­ta­le Markt­for­schungs­me­tho­de auf Basis von Echt­zeit­da­ten ver­stan­den und ist eng mit dem Begriff Big Data Ana­ly­tics und dem For­schungs­ge­biet Data Sci­ence ver­knüpft (Hope, 2021, o.S.). Im Rah­men von Music Data Ana­ly­tics wer­den vor­nehm­lich unstruk­tu­rier­te anony­mi­sier­te Daten­men­gen über das Nut­zer­ver­hal­ten mit­tels Coo­kies gesam­melt, auf Basis künst­li­cher Intel­li­genz auf fort­lau­fen­de Zusam­men­hän­ge unter­sucht und dar­aus fest­ste­hen­de Algo­rith­men entwickelt.

Auf­grund der tech­no­lo­gi­schen Aspek­te kann Music Data Ana­ly­tics auch als Teil­be­reich von Busi­ness Intel­li­gence betrach­tet wer­den. Busi­ness Intel­li­gence umfasst die betrieb­li­che Ent­schei­dungs­fin­dung mit­tels der Ana­ly­se struk­tu­rier­ter Daten zur Stei­ge­rung der Wert­schöp­fung. Music Data Ana­ly­tics fokus­siert sich in die­sem Zusam­men­hang haupt­säch­lich auf die Ent­wick­lung ent­schei­dungs­re­le­van­ter Mar­ke­ting­maß­nah­men im Geschäfts­pro­zess eines Musik­un­ter­neh­mens auf Basis ver­schie­de­ner Erfolgs- und Leis­tungs­kenn­zah­len. Die Leis­tungs­mes­sung erfolgt über die Daten­ana­ly­se kon­su­men­ten­ori­en­tier­ten Ver­hal­tens, Asso­zia­tio­nen mit einem für das Musik­un­ter­neh­men agie­ren­de Musi­ke­rIn und dem Musik­gen­re (Set­a­ro, 2019, o.S.).

Es exis­tie­ren am Markt bereits ver­schie­de­ne Music Data Ana­ly­tics Soft­ware­lö­sun­gen, wie bei­spiels­wei­se Next­big­sound oder Chart­metric. Die­se Soft­ware­lö­sun­gen bie­ten den Musik­un­ter­neh­men eine Viel­zahl an Funk­tio­nen und Ana­ly­se­mög­lich­kei­ten an. Durch den Ein­satz von Music Data Ana­ly­tics Soft­ware erge­ben sich daher für Musik­un­ter­neh­men und Musi­ke­rIn­nen durch die Gesamt­markt­ana­ly­se eine Viel­zahl an Chan­cen und Risi­ken. Durch die platt­for­men­über­grei­fen­de und ziel­ge­rich­te­te Ana­ly­se des gen­re­ge­ne­rier­ten Musik­ver­hal­tens der Nut­ze­rIn­nen auf Strea­ming­platt­for­men (z.B. Spo­ti­fy, You­tube) und die Inter­ak­tio­nen im World Wide Web (z.B. Insta­gram, Face­book) schafft und sichert Music Data Ana­ly­tics, Wett­be­werbs­vor­tei­le für die Markt­po­si­tio­nie­rung von Musik­un­ter­neh­men und den Musi­ke­rIn­nen. In die­sem Zusam­men­hang ermög­licht Music Data Ana­ly­tics gleich­falls die früh­zei­ti­ge Erken­nung von Trends und Ent­wick­lun­gen am Musik­markt, neu­en Geschäfts­mo­del­len sowie neu­en Ver­triebs­märk­ten. Den Chan­cen steht u.a. auch das Risi­ko der Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on der Daten gegen­über. Um der Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on der Daten ent­ge­gen­zu­wir­ken, und die voll­um­fäng­li­che Nut­zung der Music Data Ana­ly­tics Soft­ware zu gewähr­leis­ten, ist die Ein­stel­lung eines qua­li­fi­zier­ten Music Data Ana­lys­ten aus Sicht der Musik­un­ter­neh­men in Zukunft notwendig.

Lite­ra­tur­quel­len

Byers, G. (2019). Arti­fi­cal Intel­li­gence is Alte­ring the Music Indus­try.

Hope, D. (2021). What Can Be The Use Of Ana­ly­tics In The Music Indus­try?.

Ing­ham, T., Mill­man, E., & Wang, A. X. (2020). Whe­re the Music Busi­ness Is Going in 2020?

Marr, B. (2019). The Ama­zing Way Arti­fi­cal Intel­li­gence Is Trans­forming The Music In-dus­try.

McK­in­sey (2019). Notes from the AI Fron­tier Mode­ling The Impact Of AI On The World Eco­no­my.

Set­a­ro, S. (2019). How Data Is Making Hits and Chan­ging the Music Indus­try.

Kurzportrait

FH-Prof. Dr. Clau­dia Brau­er ist am Manage­ment Cen­ter Inns­bruck am Depart­ment für Wirt­schaft & Manage­ment beschäf­tigt. Sie lehrt und forscht seit mehr als 15 Jah­ren zu Erfolgs­mes­sung von inter­net­ba­sier­ten Geschäfts­mo­del­len und digi­ta­lem Mar­ke­ting & Ver­trieb (Web Ana­ly­tics, Social Media Ana­ly­tics, Mobi­le Ana­ly­tics) an ver­schie­de­nen natio­na­len und inter­na­tio­na­len Hoch­schu­len. Im Zuge ihrer Lehr- und For­schungs­tä­tig­keit hat Frau Brau­er umfas­sen­de prak­ti­sche Erfah­rung gesam­melt und berät seit meh­re­ren Jah­ren Unter­neh­men aus ver­schie­de­nen Berei­chen zur The­ma­tik der Erfolgs­mes­sung inter­net­ba­sier­ten Geschäftsaktivitäten.

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