Forscher hauchen der Donau wieder Leben ein
Forscher in ganz Europa arbeiten daran, die ökologische Gesundheit der Donau wiederherzustellen, indem sie die Wanderrouten für Fische und Wildtiere wieder öffnen und ein Konzept für die Erholung von Flüssen auf dem gesamten Kontinent erstellen.
Forscher in ganz Europa arbeiten daran, die ökologische Gesundheit der Donau wiederherzustellen, indem sie die Wanderrouten für Fische und Wildtiere wieder öffnen und ein Konzept für die Erholung von Flüssen auf dem gesamten Kontinent erstellen.
Florian Borgwardt und Tibor Erős, Ökologen und langjährige begeisterte Experten für das Thema Süßwasser, haben sich das Ziel gesetzt, zur Wiederherstellung der mächtigen Donau beizutragen. Sie arbeiten im Rahmen einer internationalen Partnerschaft von Wissenschaftlern, Naturschützern und lokalen Gemeinschaften an der Wiederherstellung des Ökosystems und der biologischen Vielfalt des Flusses.
Der zweitlängste Fluss Europas, der durch zehn Länder und vier Hauptstädte fließt, ist eine wichtige Lebensader für die Natur und die Menschen. Doch jahrzehntelanges menschliches Eingreifen hat einen Tribut gefordert. Durch Staudämme und Wehre wird ihr Lauf zersplittert, Fischarten sind gefährdet, Feuchtgebiete wurden entwässert und die Verschmutzung beeinträchtigt die Wasserqualität.
Infolgedessen sind die Fischpopulationen zurückgegangen, die Ökosysteme geschwächt und die Anrainer werden zunehmend von Überschwemmungen und Dürren bedroht. Der Klimawandel verschärft diese Belastungen und verringert die biologische Vielfalt und die Wasserqualität weiter.
Ein nicht einfach zu restaurierender Fluss
Die Wiederherstellung eines Flusses, der so groß ist und gemeinsam genutzt wird wie die Donau, ist kein leichtes Unterfangen. Probleme und Prioritäten wechseln je nach Bereich und Land. Hier setzt die von der EU finanzierte DANUBElifelines-Initiative an, die Experten aus dem gesamten Einzugsgebiet zusammenbringt, um auf eine gesündere und ausgewogenere Donau hinzuarbeiten.
„Unser Projekt soll Abhilfe gegen den starken Rückgang von Fischarten schaffen, die auf der Suche nach stabilen Lebensräumen während ihres Lebenszyklus in die Donau oder innerhalb des Donausystems wandern“, erklärte Borgwardt, der die Forschungszusammenarbeit koordiniert. Die Forscher konzentrieren sich auf acht Demonstrationsgebiete entlang des Flusssystems – von Deutschland und Österreich über Slowenien, die Slowakei und Ungarn bis hin zu Rumänien und Bulgarien.
Hier beseitigen die Teams veraltete Wehre, verbinden Seitenarme und kleinere Flüsse wieder miteinander und verbessern die Lebensräume, um dem Fluss mehr Raum für eine natürliche Entfaltung zu geben. Ihre Arbeit trägt zur EU-Mission „Wiederbelebung unserer Ozeane und Gewässer“ bei, mit der die aquatischen Ökosysteme geschützt und bis 2030 wiederhergestellt werden sollen.
Die im Mai 2025 ins Leben gerufene vierjährige Zusammenarbeit konzentriert sich insbesondere auf wandernde Fische und Flusskorridore, die Wiedereröffnung blockierter Wanderrouten und die Wiederherstellung wichtiger Lebensräume auf dem Weg. Die Partnerschaft bringt Universitäten, Forschungsinstitute, NRO und politische Organisationen zusammen, darunter den World Wildlife Fund (WWF) und Wetlands International.
Kartierung der Erholung der Donau
Die Forscher von DANUBElifelines untersuchen Bewegungsmuster von Fischen, bewerten die Qualität des natürlichen Lebensraums und arbeiten mit lokalen Interessenträgern an Lösungen. In einem Abschnitt des Flusses testet das Team beispielsweise die Beseitigung oder Veränderung kleiner Barrieren, damit sich die Fische wieder frei zwischen Laich- und Futtergebieten bewegen können.
Borgwardt ist Assistenzprofessor am Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur Wien. Er spricht sich nachdrücklich dafür aus, wissenschaftliche Kartierung und Modellierung als Richtschnur für die Wiederherstellung zu nutzen. Nachdem er in der Nähe eines Flusses aufgewachsen war, entwickelte er ein frühes Interesse für den Schutz von Flüssen und später dann eine Leidenschaft dafür, Technologien einzusetzen, um die Natur aus der Perspektive der Ökosysteme zu verstehen.
Erős hat einen ähnlichen Hintergrund. Er ist Leiter der Forschungsgruppe für Fisch- und Naturschutzökologie am HUN-REN Balaton Limnological Research Institute in Ungarn. Er ist in einem kleinen Dorf an der ungarischen Donauküste geboren und dort auch aufgewachsen. Der Fluss ist daher schon solange er denken kann Teil seines täglichen Lebens. „Ich war ein leidenschaftlicher Fischer, der zu einem leidenschaftlichen Fischökologen wurde.“
Beide Wissenschaftler befürworten einen praxisorientierten und auf Demonstrationen basierenden Ansatz. Anstatt Berichte zu erstellen, die nur auf Regalen verstauben, intervenieren sie an realen Orten, lernen aus den Ergebnissen und teilen die Lektionen umfassend.
Wiederherstellung des Flussrhythmus
Der Schlüsselaspekt, so Borgwardt, sei die Vernetzung, also die Art und Weise, wie verschiedene Teile des Flusses miteinander verbunden sind. „Wenn Fische bestimmte Lebensräume nicht zum richtigen Zeitpunkt erreichen können, können sie ihren Lebenszyklus nicht abschließen. Ziel ist es, sie zunächst flussaufwärts und dann nach dem Laichen sicher wieder flussabwärts zu bringen.“
Die Herausforderungen sind entlang des Flusses unterschiedlich. „Wir müssen die für Wiederherstellungs- und Erhaltungszwecke am besten geeigneten Gebiete auswählen“, erklärte Erős. „Dann stellen wir den Interessenträgern wissenschaftliche Bewertungen und Empfehlungen sowie Vorschläge für eine nachhaltige Bewirtschaftung zur Verfügung.“
Reproduzieren, was funktioniert
DANUBElifelines soll Lösungen finden, die über die Donau hinaus angewandt werden können. Die im Donaueinzugsgebiet erprobten Methoden können die Wiederherstellungsmaßnahmen in anderen europäischen Flüssen unterstützen und dazu beitragen, dass künftige Projekte auf dem vorhandenen Wissen aufbauen können und nicht ganz von vorne beginnen müssen.
Borgwardt betont die Bedeutung des Datenaustauschs. „Ein gemeinsames Überwachungssystem gibt uns ein klareres Bild davon, wie Fische Lebensräume nutzen. Wir können dann auf dieses Wissen zurückgreifen und wirksame Maßnahmen empfehlen.“
Restaurierung mit Gleichgesinnten vor Ort
Da die Donau so viele Grenzen überquert, hängt eine erfolgreiche Wiederherstellung von Koordinierung, gemeinsamen Zielen und lokaler Unterstützung ab. Für Erős ist die Zusammenarbeit mit einem breiten Spektrum von Interessenträgern von wesentlicher Bedeutung. „Die Interessenträger müssen bereit sein, auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten“, erklärte er. „Also muss man Kompromisslösungen finden, die den Bedürfnissen aller Rechnung tragen.“
Vor diesem Hintergrund arbeitet das Team von DANUBElifelines mit lokalen Behörden, Verwaltern von Nationalparks, Fischereigemeinden, Landwirten und regionalen Organisationen zusammen. „Wir prüfen, wie eine nachhaltige Bewirtschaftung sowohl dem Fluss als auch den lokalen Gemeinschaften zugutekommen kann“, sagte Borgwardt. Zu diesem Zweck organisiert das Team Workshops, um die Ergebnisse vorzustellen und Wiederherstellungsoptionen zu erörtern.
Der WWF spielt eine Schlüsselrolle bei der Verknüpfung der Wissenschaft mit der Erhaltungspraxis und -politik, während das Projekt selbst auch eng mit der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) zusammenarbeitet, die die Umsetzung der der EU-Vorschriften im Bereich Wasser für das gesamte Einzugsgebiet koordiniert. „Wir teilen die Ergebnisse unserer Demonstrationsstandorte mit den regionalen Behörden“, sagte Borgwardt. „Im Bereich des Naturschutzes sind Dialog und anreizbasierte Ansätze oft am wirksamsten.“
Jedoch erkennt das Team gleichzeitig an, dass die ökologische Wiederherstellung mit bestehenden Nutzungen des Flusses wie Schifffahrt, Wasserkraft und Landwirtschaft in Einklang gebracht werden muss.
Ausblick
Borgwardt bleibt optimistisch. Seiner Meinung nach sind „Umwelt- und Klimakrisen eng miteinander verknüpft“. „Sie können nur durch integrierte Ansätze angegangen werden. Auch wenn wir uns noch in der Anfangsphase des Projekts befinden, ist das, was wir geleistet haben, vielversprechend.“
Die Wiederherstellung des Donaueinzugsgebiets zeigt, wie mit gemeinsamen Maßnahmen von Wissenschaft, Politik und Gemeinschaften begonnen werden kann, über Generationen hinweg entstandene Schäden zu beheben und gleichzeitig Ökosysteme zu schaffen, die widerstandsfähiger gegen künftige Belastungen sind.
Da Europa mit dem Verlust an biologischer Vielfalt und dem Klimawandel zu kämpfen hat, bieten Initiativen wie DANUBElifelines sowohl Hoffnung als auch einen praktischen Fahrplan, der zeigt, dass eine Wiederherstellung möglich und ein dauerhafter Wandel in Reichweite ist, wenn Gemeinschaften als Partner einbezogen werden.
Von Valérie Gillet
Weitere Informationen:
Website des Projekts „DANUBElifelines“
EU research and innovation for water
Dieser Artikel wurde ursprünglich in Horizon, dem Forschungs- und Innovationsmagazin der EU, veröffentlicht. Die in diesem Beitrag beschriebene Forschungsarbeit wurde aus dem EU-Programm „Horizont Europa“ finanziert.