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Kooperation / EU-Magazin Horizon / 26.03.2026, 08:42

Vernetzter ländlicher Raum: Intelligente Technologien geben dem ländlichen Europa neue Impulse

Eine bessere Vernetzung verändert das tägliche Leben im ländlichen Europa – von sichereren Schulwegen bis hin zu saubererer Energie – und unterstützt gleichzeitig die lokale Wirtschaft und die Verringerung von Emissionen.

APA/AFP

Es ist nicht selten stressig, die Kinder rechtzeitig für die Schule fertigzumachen. Im finnischen Lappland, wo die Winter lang und schneereich sind und einige Schüler große Entfernungen mit dem Bus zurücklegen, ist diese Herausforderung noch größer. In zwei Gemeinden in Lappland hat eine Schultransport-App, die im Rahmen der EU-finanzierten Initiative AURORAL entwickelt wurde, die Abholung durch Schulbusse vereinfacht, was den allmorgendlichen Stress für Eltern verringert und den Busfahrern das Leben erleichtert.

Hinter der App steht eine vom AURORAL-Team entwickelte digitale Infrastruktur. Diese gemeinsame Grundlage ermöglicht es allen Arten von Dienstleistungen im ländlichen Raum – von Schulbussen bis hin zu Milchbetrieben und lokalen Energiesystemen –, sich anzuschließen, Daten sicher auszutauschen und zusammenzuarbeiten, ohne dass jede Gemeinschaft ihr eigenes System aufbauen muss.

Mit der App „Koulukyyti“ können Eltern in den Gemeinden Kemi und Tornio auf einen Blick sehen, ob ihre Kinder im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren sicher in der Schule angekommen sind. Busfahrer erhalten Sofortwarnungen, wenn ein Kind abwesend ist oder von einer anderen Adresse abgeholt werden soll, und vermeiden auf diese Weise unnötige Fahrten. „Das System stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren Methoden dar, als die Schüler auf Papier abgehakt oder am frühen Morgen WhatsApp-Nachrichten versendet wurden,“ erklärt Seppo Ahola, Projektleiter des Lappland-Pilotprojekts. Er fährt fort: „Für Eltern gibt es ein zusätzliches Sicherheitsgefühl. Und das Verkehrsunternehmen weiß genau, wann seine Verantwortung beginnt und wieder endet“.

Sicherere Schulwege in Lappland

Etwa 90 Kinder in Kemi und 120 Kinder in Tornio haben sich für die App angemeldet, und Ahola hofft, dass weitere Gemeinden folgen werden. Neben dem praktischen Nutzen und der Sicherheit ergibt sich auch ein Mehrwert für die Umwelt. Durch die Verringerung unnötiger Fahrten werden der Energieverbrauch und die Emissionen gesenkt. „Wir schätzen die jährlichen Einsparungen auf rund 25 %“, erklärte Ahola. „Allerdings ist der größte Gewinn die für alle beruhigende Wirkung.“

Diese intelligente Verkehrsapp in Lappland ist nur ein Beispiel dafür, wie eine verbesserte Konnektivität das Leben im ländlichen Raum verbessern kann. Christoph Hrdinka, ein österreichischer Unternehmer und AURORAL-Koordinator, weist darauf hin, dass ländliche Gebiete mit vielen Herausforderungen konfrontiert sind, die es in Großstädten nicht gibt: weniger Arbeitsplätze, begrenzte Infrastruktur, weniger öffentliche Verkehrsmittel und langsamere digitale Entwicklung.

Die Förderung technologisch intelligenter Gemeinschaften, die digitale Instrumente zur Verbesserung der Energie-, Wasser-, Verkehrs- und Kommunikationsdienste nutzen, ist eine Möglichkeit, mit der die EU versucht, das tägliche Leben zu verbessern und gleichzeitig langfristige Ziele wie den europäischen Grünen Deal zu unterstützen.

Aufbau technologisch intelligenter Gemeinschaften auf der Grundlage gemeinsamer Technologien

Die COVID-19-Pandemie in Verbindung mit einer massiven Verlagerung hin zur Telearbeit hat deutlich gemacht, dass die Vernetzung des ländlichen Raums verbessert werden muss. Das AURORAL-Team hat eine technologische Lösung entwickelt, um die digitale Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten durch die Schaffung intelligenter Gemeinschaften zu überwinden.

Die Forscher haben eine sogenannte „Middleware“ entwickelt – eine Software, die Betriebssysteme mit Nutzeranwendungen verbindet. Sie haben mit den teilnehmenden Gemeinschaften auch an der Erstellung von Geschäftsplänen, an Finanzierungsmöglichkeiten und an der Einbeziehung von Interessenträgern gearbeitet. „Wenn man intelligente Gemeinschaften im Hinblick auf die Zusammenarbeit schafft, kann jeder auf seinen Stärken aufbauen“, erklärte Hrdinka. „Es ist sozusagen eine europäische Zusammenarbeit, aber in einem digitalen Umfeld.“

Hrdinka, Geschäftsführer von LuxActive und des gemeinnützigen Forschungszentrums SWISDATA, hat selbst in einem ländlichen Gebiet gelebt und ist sich der Bedeutung der Konnektivität bewusst. „Mit diesem digitalen Rückgrat können ländliche Gemeinschaften Daten mit Nachbarn, aber auch mit ähnlichen Projekten in anderen Ländern austauschen und voneinander lernen.“

Milchkühe und Wein für Energiezwecke

Die Initiative vereint 25 Organisationen aus zehn europäischen Ländern, die das Fachwissen von Technologieentwicklern, Forschern und lokalen Behörden bündeln, um zu zeigen, was eine intelligentere Konnektivität im ländlichen Raum vor Ort tatsächlich bewirken kann.

Die Technologie wurde in sieben ländlichen Regionen in ganz Europa getestet, von Finnland, Norwegen und Schweden bis hin zu Österreich, Italien und Spanien. Dies hat gezeigt, dass eine gemeinsame digitale Infrastruktur so flexibel sein kann, um sehr unterschiedlichen lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden, von der Gesundheitsversorgung und dem Tourismus bis hin zu Energie und Verkehr.

Die Technologie wurde so konzipiert, dass sie offen und interoperabel ist, und es ermöglicht, die in einer Region entwickelten Dienste anzupassen und in einer anderen Region wiederzuverwenden, wodurch ländliche Gemeinschaften bei Innovationen unterstützt werden, ohne von Grund auf beginnen zu müssen.

Die Möglichkeiten gehen weit über Schulbusse hinaus. Die Plattform von AURORAL kann ein breites Spektrum ländlicher Dienstleistungen unterstützen. Wie dies in der Praxis aussieht, hängt vollständig von den Bedürfnissen vor Ort ab.

In Norditalien beispielsweise nutzen Milchbauern das System zur Überwachung der Gesundheit und der Milcherzeugung ihrer Kühe. Durch den sicheren Datenaustausch mit benachbarten landwirtschaftlichen Betrieben können sie Trends früher erkennen, die Bestandsbewirtschaftung verbessern und ihre Betriebe stärken.

Weiter südlich in der Region Penedès in Katalonien trägt die Technologie dazu bei, eine andere Art der Zusammenarbeit zu fördern. Hier werden Abfälle aus jahrhundertealten Kellereien in Biomasse für erneuerbare Energien umgewandelt. Die digitale Plattform trägt dazu bei, Winzer mit dem Bioenergiesektor zu verbinden und sicherzustellen, dass der Ursprung und die Verarbeitung von Traubenabfällen gut dokumentiert werden, damit sie zu einer zuverlässigen Energiequelle werden können.

„Während der COVID-19-Pandemie haben wir gesehen, wie die Digitalisierung Unternehmen dabei helfen konnte, sich an neue Verbrauchergewohnheiten anzupassen und sich mit wachsenden administrativen und regulatorischen Anforderungen zurechtzufinden“, erklärte Conrad Pagà Bordes, Projektmanager im Katalonien-Bioenergiecluster.

In beiden Fällen ermöglicht es ein und dieselbe digitale Grundlage sehr unterschiedlichen ländlichen Gemeinschaften, Lösungen zu entwickeln, die für sie von Nutzen sind, wodurch die lokale Wirtschaft gestärkt und gleichzeitig umweltfreundlichere Arbeitsweisen unterstützt werden.

Die Plattform am Leben erhalten und wachsen lassen

Das auf vier Jahre angelegte Projekt AURORAL wurde im März 2025 abgeschlossen, aber die geleistete Arbeit wird den ländlichen Gemeinschaften auch in Zukunft zugute kommen, insbesondere über die Plattform SmarTomorrow.

Über dieses Online-Forum können die Teilnehmer Wissen und gewonnene Erkenntnisse austauschen, Unterstützung bei der Aufrechterhaltung bestehender Dienste oder beim Zugang zu öffentlichen und privaten Finanzmitteln erhalten und sich mit Gleichgesinnten oder Technologieanbietern in Verbindung setzen, um Zukunftsideen zu erörtern.

„Es ist wichtig, über eine Digitalisierungsstrategie zu verfügen, die auch technologisch intelligente ländliche Umgebungen und Gemeinschaften begünstigt und sie in Zukunft fördern kann“, erklärte Pagà Bordes.

Von Schulwegen in Lappland bis hin zu Molkereien und Weinbergen weiter südlich zeigt AURORAL, wie dieses digitale Rückgrat ländlichen Gemeinschaften die Instrumente an die Hand geben kann, die sie benötigen, um sich auf eigene Weise zu entfalten. Die Hoffnung besteht nun darin, dass sich weitere Regionen anschließen und die Technologie an ihre Bedürfnisse anpassen werden.

Von Helen Massy-Beresford

Weitere Informationen:

AURORAL (CORDIS)
Website des Projekts AURORAL
SmartTomorrow
EU-Landwirtschaft: Ländliche Entwicklung

APA-Science Content-Kooperation mit Horizon

Dieser Artikel wurde ursprünglich in Horizon, dem Forschungs- und Innovationsmagazin der EU, veröffentlicht. Die in diesem Beitrag beschriebene Forschungsarbeit wurde aus dem EU-Programm „Horizont Europa“ finanziert.

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