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Mehr zum Thema / Paul Tschierske / Freitag 29.10.21

Im wis­sen­den Niemandsland

Häu­fig wer­den Kunst und Wis­sen­schaft, ins­be­son­de­re die Natur­wis­sen­schaft, als sich gegen­über­ste­hen­de Anti­po­den gese­hen. Hier das Sub­jekt, die per­sön­li­che Erfah­rung – dort die Objek­ti­vi­tät, das über­per­sön­li­che Wis­sen. Ein­zel­fall vs. Gesetz. Auch der Phi­lo­soph Bert­rand Rus­sell brach­te die bei­den nicht zusam­men. Bei ihm war die Kunst am wenigs­ten grif­fig in sei­ner Drei­tei­lung zwi­schen Wis­sen­schaft, Kunst und Glaube.
Foto: Spiess

„Für Rus­sell war die Wis­sen­schaft auf der einen Sei­te: das, was wir glau­ben zu wis­sen“, erklärt die Phi­lo­so­phin und Künst­le­rin Mari­on Eli­as von der Uni­ver­si­tät für ange­wand­te Kunst in Wien im Gespräch mit APA-Sci­ence. „Auf der ande­ren stand die Reli­gi­on: das, was wir glau­ben. Die Kunst war für ihn in einem Nie­mands­land dazwi­schen.“ Einen Gegen­satz gebe es zwi­schen Kunst und Wis­sen­schaft nicht per se. „Wir dür­fen uns in der Kunst öfter irren. Wobei, Marie Curie ging es ähn­lich, oder? Wie oft hat sie sich geirrt, bis sie Polo­ni­um ent­deckt hat?“

Der Ursprung der Wis­sen­schaft in der Kunst

Zum Teil sind Wis­sen­schaf­ten aus der Kunst ent­stan­den, erin­nert Eli­as. „Leo­nar­do da Vin­ci ist ja nur der bekann­tes­te, aber ohne Künst­le­rin­nen und Künst­ler hät­ten wir kei­ne ana­to­mi­sche Wis­sen­schaft. Die haben die Lei­chen geöff­net.“ Seit Jah­ren hält sie an der Uni­ver­si­tät für Ange­wand­te Kunst Wien das Semi­nar mit dem Titel „Nie­mands­land – zwi­schen Kunst und Wis­sen­schaft“. Teil­neh­men­de sind hier ange­hen­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler. Das wür­de sich die Phi­lo­so­phin genau­so umge­kehrt wün­schen. „Die­ses freie, skep­ti­sche künst­le­ri­sche Den­ken, das soll­ten sich Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler mehr geben, und ich hof­fe, das wirkt dann auch in die Gesell­schaft hin­ein.“ Sie soll­ten sich mehr ins Krea­ti­ve, ins Unbe­kann­te trau­en, mein­te Eli­as. Es gehe letzt­lich unter ande­rem um den Unter­schied zwi­schen Bil­dung und Aus­bil­dung. Ers­te­re ist frei, sie hat an sich kei­ne direk­te Funk­ti­on. Dies kann mehr an Kunst erin­nern. Aus­bil­dung ist dage­gen funk­tio­na­lis­tisch, mit kla­rem Ziel. Eher so wie die Wis­sen­schaft. Müßig zu dis­ku­tie­ren, wel­chen Weg Uni­ver­si­tä­ten – beson­ders seit der Bolo­gna-Reform – in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gewählt haben und wel­che Vor- und Nach­tei­le dies mit sich brin­ge, stell­te Eli­as in den Raum.

Ste­reo­ty­pe in der Wissenschaft

Die Ver­bin­dung von Kunst und Wis­sen­schaft gelingt seit meh­re­ren Jah­ren Klaus Spiess. Der Medi­zi­ner und Künst­ler hat­te 2000 den Ein­fall, sei­ne Medi­zin­stu­die­ren­den ein Thea­ter­stück auf­füh­ren zu las­sen: Die Begeg­nung des Immun­sys­tems mit einem Bak­te­ri­um. „Es wur­den bemer­kens­wert vie­le gesell­schaft­li­che Ste­reo­ty­pen in die Per­for­man­ces impor­tiert. Frau­en über­nah­men meist die Rol­le von Fress­zel­len, Män­ner die von Kil­ler­zel­len.“ Par­al­lel dazu habe man sich damals auch in der inter­na­tio­na­len Lite­ra­tur die Fra­ge gestellt, ob das Immun­sys­tem nicht aus einer zu männ­li­chen Per­spek­ti­ve model­liert wer­de. „Auch bei den ‚Immun­thea­tern‘ haben die Frau­en mehr Netz­wer­ke gebil­det, um einen Schäd­ling zu erken­nen und zu ent­fer­nen, wäh­rend die Män­ner in den Insze­nie­run­gen eine Tötung ohne wei­te­ren Aus­tausch darstellten.“

Wie­ner Immuntheater

Sei­den­sti­cke­rei von indi­schen Medizinstudenten …

… nach einem Video­s­till eines Wie­ner Immun­thea­ters angefertigt.

Kul­tur beein­flusst Wissenschaft

Der Lei­ter des trans­dis­zi­pli­nä­ren Pro­gramms Kunst/Wissenschaft und Bio­me­di­en am Zen­trum für Public Health der Med­uni Wien ist mit die­sem Pro­jekt auch nach Indo­ne­si­en und Jemen gereist um Kul­tu­ren zu ver­glei­chen. „In Indo­ne­si­en wur­de das Immun­sys­tem eher ‚weib­lich‘ vor­ge­stellt, im Jemen poe­tisch.“ Die Grün­de bei einem der­art kom­ple­xen Phä­no­men sind natür­lich viel­schich­tig. Aber Indi­zi­en gibt es. „In Wien sind es pri­mär Patho­lo­gie­lehr­bü­cher, die benutzt wer­den und erklä­ren. In Indi­en und Indo­ne­si­en aber sind es Bio­lo­gie­lehr­bü­cher, die erklä­ren, wie das auf­ge­baut ist.“ Jedoch gebe es mitt­ler­wei­le in Euro­pa eben­so einen sys­te­mi­schen Ansatz, der zudem durch das Ver­ständ­nis über Mikro­bio­me und Holo­bio­nt (das Gesamt­le­be­we­sen, Anm.) wie­der­be­lebt wor­den sei.

Es mutet fast wie ein Para­dig­men­wech­sel an: Weg vom Reduk­tio­nis­mus, der nur Sym­pto­me beach­tet, hin zu einem Holis­mus, für den künst­le­ri­sches Ver­ständ­nis nütz­lich sein kann. Dies lässt sich viel­leicht deu­ten als ein neu­es Zusam­men­spiel von eher reduk­ti­ver (Natur-)Wissenschaft auf eine eher holis­ti­sche Kunst. Nicht in einem „ent­we­der-oder“, son­dern in einem „sowohl-als-auch“.

Das zeigt eben­so eine ande­re Her­an­ge­hens­wei­se der Medi­zin an, von der  Spiess erzählt und die ins­be­son­de­re in den USA prak­ti­ziert wer­de. „Die nar­ra­ti­ve Medi­zin ist ein Bereich, bei dem die Ana­mne­se nicht mehr eine – im engs­ten Sin­ne – Ana­ly­se von Sym­pto­men ist. Es geht zum Bei­spiel dar­um, ob jemand in der Ana­mne­se von sei­nen Ange­hö­ri­gen spricht – oder ob er sie weg­lässt, ob von Zukunft oder Ver­gan­gen­heit, ursäch­lich oder asso­zia­tiv, in epi­scher Distanz oder aus der Innen­per­spek­ti­ve erzählt wird.“ Dies lie­ße sich dann mit erzähl­theo­re­ti­schen Metho­den aus der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft unter­su­chen. Über die­se Erzäh­lun­gen bekom­me der Arzt ein Ver­ständ­nis über den erzäh­len­den Men­schen. Dafür brau­che es eine nar­ra­ti­ve Kom­pe­tenz. Wenn dies zwar noch kein Tref­fen von Kunst und Wis­sen­schaft ist, so doch eines von Geis­tes- und Natur­wis­sen­schaft. Den Ansät­zen – nach dem deut­schen Phi­lo­so­phen Wil­helm Dil­they – des Ver­ste­hens und des Erklärens.

Spiess ging dar­über hin­aus und ent­deck­te ver­schie­de­ne Stu­fen sowohl der Ergän­zung als auch der Befrem­dung, bei der Kunst und Wis­sen­schaft sich tref­fen: „Einer mei­ner ers­ten Ansät­ze in Trans­dis­zi­pli­na­ri­tät war, Medi­zin- und Psy­cho­lo­gie­stu­die­ren­de zusam­men­zu­brin­gen.“ Dies sei noch ver­gleichs­wei­se ein­fach gewe­sen, denn: „Bei­de Dis­zi­pli­nen haben einen kla­ren Behand­lungs­auf­trag, den die in mei­nen Lehr­ver­an­stal­tun­gen als Tuto­ren mit­wir­ken­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler nicht haben.“ Dies habe aber den Vor­teil, dass sie anders auf den Pati­en­ten hin­schau­en wür­den – sie hät­ten eine anders trai­nier­te Wahr­neh­mung, die künst­le­ri­sche Indi­vi­dua­li­sie­rung gegen­über der wis­sen­schaft­li­chen Sys­te­ma­ti­sie­rung. „Das spie­gelt die Arts- und Sci­ence-The­ma­tik wider. Dazu was dies­be­züg­lich mög­lich und was unmög­lich ist, habe ich frü­he Erfah­run­gen gemacht.“

Wis­sen­schaft ermög­licht Kunst

 

Neben der Leh­re hat der Medi­zi­ner und Künst­ler Pro­jek­te im Rah­men sei­nes Pro­gramms an der Med­Uni durch­ge­führt, die mit Tech­nik und Kunst gesell­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen spie­geln. Er und die Künst­le­rin Lucie Stre­cker lie­ßen Hasen­blut aus einem Kunst­pro­jekt von Joseph Beuys – genau­er gesagt, das dar­in ent­hal­te­ne Kata­lase-Gen, wel­ches die Alte­rung regu­liert – in Hefe­zel­len klo­nie­ren. Die­ses neue trans­ge­ne­ti­sche Kunst­werk wur­de dann auk­tio­niert. Wenn die Gebo­te zu weit vom live gestream­ten Bör­sen­preis für Hefe diver­gier­ten, nahm die Lebens­fä­hig­keit der Hefe­zel­len durch die Akti­vie­rung des Alte­rungs­gens ab. Tech­nisch geschah dies durch ein Inter­face, wel­ches die Höhe der Gebo­te mit dem Wachs­tum der Hefe­zel­len ver­band.  [Mehr zum Pro­jekt Hare’s Blood: Hare’s Blood + (2014) on Vimeo / Ars Elec­tro­ni­ca Archiv (aec​.at)] Hier hal­ten Kunst und Wis­sen­schaft gemein­sam der Gesell­schaft den Spie­gel vor. Eine kapi­ta­lis­ti­sche Frat­ze, die aus Amü­se­ment über Leben und Tod ent­schei­det, blickt zurück. Wie weit es von dort zu den Sujets der korea­ni­schen Net­flix­pro­duk­ti­on „Squid Game“ oder der US-ame­ri­ka­ni­schen Buch- und Film­rei­he „The Hun­ger Games“ ist, bleibt offen. Eine wei­te­re Fra­ge, die sys­tem­im­ma­nen­te Kri­tik auf­weist, ist: wem gehört eigent­lich das Kunst­werk, wem die Gene? Beuys, sei­nen Nach­fol­ge­rin­nen und Nach­fol­gern, dem Hasen? (Um Fra­gen des Eigen­tums geht es auch bei Spiess‘ und Stre­ckers Kunst­pro­jekt „Spit­par­ty“.)

In der Kunst gebe es einen übli­chen Grenz­gang zwi­schen Wis­sen und Erzäh­lung. Kunst habe eine gesell­schaft­li­che Kraft, die nicht unter­schätzt wer­den soll­te. Zwar begrüßt Spiess, dass Art&Science-Künstlerinnen und ‑Künst­ler sich auf Tech­nik ein­lie­ßen, indes: „Ich fin­de das auch nicht immer gut, sie soll­ten sich jeden­falls nicht auf die fak­ti­sche Ebe­ne der Wis­sen­schaft auf Kos­ten der Sym­bo­lik ein­las­sen, sol­len aber wis­sen­schaft­li­che Metho­den und Inhal­te so ver­se­hen, dass sie sie mit der Kraft sym­bo­li­scher Erzäh­lun­gen ver­bin­den kön­nen. Ich fin­de es der­zeit beson­ders wich­tig, wie Künst­le­rin­nen und Künst­ler öko­lo­gi­sche The­men auf­be­rei­ten und wei­ter­ent­wi­ckeln in einer Form, die für die Kli­ma­kri­se Sinn ergibt.“ Deut­li­cher sagt es Mari­on Eli­as: „Die Kunst darf sich nicht ein­fach vor den Wagen der Wis­sen­schaft span­nen las­sen.“ Kunst sol­le nicht erläu­tern, son­dern ein Bewusst­sein schaf­fen. Vor zwei Jah­ren habe es auf der Bien­na­le mit­ten im Canal Gran­de in Vene­dig eine Skulp­tur nur aus lee­ren Plas­tik­fla­schen gege­ben. „Etwas auf­zei­gen, dar­auf hin­wei­sen und hof­fen, dass es doch Men­schen gibt, die zuhö­ren. Eine Bien­na­le die nur hübsch ist – das geht  auch nicht mehr.“

Klaus Spiess sieht eine kon­ver­gen­te Ent­wick­lung bezüg­lich der Auf­he­bung der Tren­nung zwi­schen Kunst und Wis­sen­schaft. „In den USA ist das gibt es die­se Tren­nung zwi­schen Arts und Sci­ence viel­fach nicht mehr.“ Das erin­ne­re ihn an die Aner­ken­nung der Psy­cho­so­ma­tik in Öster­reich ab 2000. „Bis dahin hieß es: da ist die Psych­ia­trie, dort die inne­re Medi­zin. Wo aber steht dabei die Psychosomatik?“

Die Idee ist die Basis – Für Impf­stoff wie für Kunstwerk

In der Medi­zin geht die­se Tren­nung auf Rene Des­car­tes‘ dua­lis­ti­sches See­le-Kör­per-Prin­zip zurück, der damit auch häu­fig als Begrün­der der moder­nen Wis­sen­schaft gilt. Der Kör­per tritt hin­ter das Den­ken zurück. Die schaf­fen­de Kunst hin­ter die den­ken­de Wis­sen­schaft. Mari­on Eli­as sieht die­se euro­päi­sche Tra­di­ti­on schon in Pla­ton begrün­det: das höchs­te Ziel sei die Idee. „Der Mensch ist nur noch Abbild, kann nur noch abbil­den. Die Kunst ist noch ein­mal tie­fer.“ Sie sehe da jedoch gar kei­nen abso­lu­ten Gegen­satz. „Es gibt eine Ver­söh­nung, ein Mit­ein­an­der.“ Außer­dem ver­ei­ne dies letzt­lich die bei­den. „Die Idee ist die Basis. Sei es im Impf­stoff, sei es im Kunst­werk. Wie Richard Sen­nett schon gesagt hat: Für bei­des braucht man Hand und Kopf.“

Inwie­fern man Kunst und Wis­sen­schaft ver­ei­nen kann und inwie­fern auch nicht, macht der Phi­lo­soph und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Artur R. Boelderl von der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt deut­lich. „Wenn es um das Erkennt­nis­in­ter­es­se geht, dann spricht wenig dage­gen.“ Doch neben dem Erkennt­nis­in­ter­es­se gibt es eben noch ande­re Kri­te­ri­en. „Die Wis­sen­schaft besteht nicht zu Unrecht auf gewis­sen Kri­te­ri­en und Stan­dards, die sich auf künst­le­ri­sche Arbei­ten nicht 1:1 umle­gen las­sen dürf­ten. In der Kunst gibt es bestimm­te Ziel­set­zun­gen, die im wis­sen­schaft­li­chen Bereich nicht berück­sich­tigt wer­den kön­nen.“ Im Bereich der künst­le­ri­schen For­schung habe man die­se Dis­kus­si­on – mit eini­ger Skep­sis auf bei­den Sei­ten – geführt.

Die Ästhe­tik einer Gleichung

Eine wei­te­re Ver­bin­dung sieht Boelderl im Expe­ri­ment, denn so „wie der oder die Künst­le­rin aus­pro­biert, wel­che For­men ein Mate­ri­al anneh­men kann, was ihm ange­mes­sen ist, wie die­se Syn­the­se ein run­des Gan­zes ergibt, so ist es ja auch beim wis­sen­schaft­li­chen Expe­ri­ment.“ Dies sei wie beim bekann­ten Spruch, dass eine Glei­chung, die sich aus­geht, schön sei. „Schön auch im Sin­ne Schil­lers oder der Klas­sik.“ Auf die Fra­ge, ob das künst­le­ri­sche Expe­ri­ment nicht frei­er sei als das stan­dar­di­sier­te der Wis­sen­schaf­ten, reagiert er nach­denk­lich: „Ich weiß nicht, ob das Expe­ri­ment in der Kunst so frei ist, wie wir anneh­men möch­ten. Wahr­schein­lich sind die Regeln, Bedin­gun­gen für das künst­le­ri­sche Expe­ri­ment aber weni­ger kodi­fi­ziert und stan­dar­di­siert.“ Im wis­sen­schaft­li­chen Expe­ri­ment herrsch­ten die bekann­ten Para­dig­men vor, erst recht im Labor­ex­pe­ri­ment. Doch dies mache die Vor­ga­ben im künst­le­ri­schen Bereich nicht weni­ger bedeut­sam. „Es gibt Ermög­li­chung und Ein­schrän­kung. Wel­ches Mate­ri­al ein Skulp­tor oder eine Skulp­to­rin benutzt, zieht einen Rat­ten­schwanz an Kon­se­quen­zen nach sich. Da muss man genau­so aus­pro­bie­ren wie bei Tri­al and Error. Letzt­lich sind sie wohl gar nicht so verschieden.“

Das poli­ti­sche Momen­tum der Kunst

Eine Stär­ke mit Blick auf die Gesell­schaft habe die Kunst jedoch, so Boelderl. „Poli­ti­sche Bewe­gun­gen – dies sieht man auch empi­risch – kom­men eher nicht aus der Wis­sen­schaft, son­dern aus der Kunst. Die­se ist hier ein Seis­mo­graf.“ Der Kli­ma­st­reik der Jugend habe sein Momen­tum nicht durch die ihn gleich­wohl fun­die­ren­de Wis­sen­schaft bekom­men, „son­dern von der Zivil­ge­sell­schaft und hier durch­aus im künst­le­ri­schen Bereich.“

Am Kli­ma­st­reik ist die Mög­lich­keit einer Ver­bin­dung von Kunst und Wis­sen­schaft für die Gesell­schaft erkenn­bar. Gre­ta Thun­berg beruft sich auf wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se, sie sind das Fun­da­ment. Doch hat sie als zivil­ge­sell­schaft­li­che Per­son – die zu einer Kunst­per­son gewor­den ist – mehr Momen­tum in die Kli­ma­be­we­gung gebracht als unzäh­li­ge wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se vor ihr. Wis­sen­schaft­lich gese­hen war ihre Boots­über­que­rung des Atlan­tiks bezüg­lich des CO²-Aus­sto­ßes nicht sinn­voll. Als ein Kunst­pro­jekt, wel­ches Bewusst­sein schaf­fen soll, war es mehr als erfolgreich.

Viel­leicht sind Kunst und Wis­sen­schaft so, wie es die Künst­le­rin und Pro­fes­so­rin Ursu­la Bert­ram mal in einem Inter­view mit ZEIT ONLINE (Nr. 39 vom 24.10.2010) beschrieb: „Wis­sen­schaft und Kunst sind wie Was­ser und Öl, sie sind ver­misch­bar, wer­den sich aber immer wie­der tren­nen.“  Und ihre Mischung strahlt – kurz, aber hell im Niemandsland.

Zu den Personen

Phi­lo­so­phin und Künst­le­rin Mari­on Eli­as von der Uni­ver­si­tät für ange­wand­te Kunst

Klaus Spiess, Lei­ter des trans­dis­zi­pli­nä­ren Pro­gramms Kunst/Wissenschaft und Bio­me­di­en am Zen­trum für Public Health der Med­uni Wien

Phi­lo­soph und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Artur R. Boelderl von der Alpen-Adria-Uni­ver­si­tät Klagenfurt

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