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Mehr zum Thema / Stefan Thaler / Mittwoch 17.12.25

Wie Universitäten mit Dual-Use umgehen

Ethikbeiräte, verpflichtende Konsultationen und Vertragsmuster: Der Umgang von Universitäten mit dem Thema Dual-Use – und damit verbunden mit der Forschungssicherheit – ist vielschichtig. Aktuelle Entwicklungen dürften aber eine neue Diskussion darüber angestoßen haben.
Credit: APA/Hochmuth

Die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen würden auch Forschung im Umfeld von Sicherheit und Verteidigung notwendig machen, heißt es vonseiten der Universität Klagenfurt bei einem Rundruf von APA-Science. In Einzelfällen gebe es Kooperationen mit Auftraggebern aus diesem Bereich.

Generell würden aber Grundlagenforschung beziehungsweise Forschung für zivile Anwendungsgebiete im Vordergrund stehen. Auch die öffentliche Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen sei von großer Bedeutung. In Bereichen mit möglichem Dual-Use-Potenzial werde jedoch „sensibel hinterfragt, wo Open Science auch zu nicht intendierten Anwendungsbereichen führen könnte“.

Wer ist die Quelle der Finanzierung?

Die Technische Universität (TU) Wien verweist auf mehrere Fragestellungen, die im Zuge der Anbahnung eines Forschungsprojekts berücksichtigt werden müssten: Wer ist die Quelle der Finanzierung? Wer ist Fördergeber? Gibt es ein Peer-Review-Verfahren und dient die Forschung ausschließlich Zwecken der Verteidigung? Zur Unterstützung bei der Beantwortung gebe es einen Fragekatalog und oft auch eine persönliche Beratung. Die endgültige Entscheidung werde vom Vizerektor für Forschung, Innovation und Internationales getroffen.

Für die FFG-Programme KIRAS und FORTE gebe es eine Verpflichtung zur Konsultation des Fachbereichs „Responsible Research Practices“ an der TU mehrere Wochen vor der Einreichung des Projektantrags, um das Forschungsdesign noch adaptieren zu können. Man dürfe beim Thema Verteidigungsforschung aber nicht vergessen, dass es hier vorwiegend auch um Cyber Security und den Schutz von Infrastruktur gehe, erklärte die Uni.

Zivilklausel an der Boku

Forschung im Bereich Sicherheit und Verteidigung im engeren Sinne würde an der Boku nicht stattfinden, verweist die Universität für Bodenkultur auf eine Zivilklausel. In den vergangenen Jahren sei auch kein derartiger Fall aufgetreten. Vielmehr widme man sich weiter und verstärkt der Sicherheitsforschung im zivilen Bereich im Sinne von Risikoforschung und Abwendung von Naturkatastrophen.

An der Universität Innsbruck werden Fragen zu „Dual-Use“ von einem Ethikbeirat behandelt. Schon bei der Antrags- oder auch Vertragsprüfung mache man Forschende auf einen möglichen „Dual-Use“-Bestand aufmerksam. Als Leitlinien würden nationale und internationale Bestimmungen zur Ethik in der Forschung sowie rechtliche Bestimmungen, etwa im Bereich der Exportkontrolle, dienen.

Fördergelder locken (Credit: APA/Gindl)
Chancen für drittmittelfinanzierte Forschung

Da sowohl durch österreichische Fördergeldgeber als auch durch die Europäische Union die Sicherheits- und Verteidigungsforschung mehr als noch vor einigen Jahren gefördert wird, ergeben sich gerade im drittmittelfinanzierten Forschungsbereich auch Chancen für die österreichischen Unis, so die Universität Innsbruck. Im Idealfall würde die gesteigerte Nachfrage nach Forschung in diesem Feld die Entwicklung von Grundlagen für technologische Innovationen anstoßen, die in vielen zivilen Lebensbereichen Verbesserungen ermögliche, erklärte die Universität Klagenfurt.

In der Lehre ist das Thema zwar auch angekommen, hauptsächlich aber als Teil von allgemeinen Angeboten zu ethischen Fragestellungen und kritischer Reflexion, bei Awareness-Schulungen, Trainings zur gesellschaftlichen Verantwortung oder individuellen Beratungsgesprächen.

Forschungssicherheit wird stärker zum Thema

Zum Teil wird auch das Thema Forschungssicherheit adressiert, um unerwünschten Wissenstransfer an Institutionen in autoritär regierten Staaten zu verhindern. Diese würde eine „essenzielle Rolle“ bei Dual-Use-Fragen spielen, so Gregor Weihs, Vizerektor für Forschung an der Uni Innsbruck. Die JKU verweist im Hinblick auf den Bereich „Research Security und Foreign Interference“ auf den Austausch mit diversen Ministerien sowie der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN).

Auch die Universität Wien gibt an, sich aktiv an vom Wissenschaftsministerium initiierten nationalen Prozessen zu beteiligen, um Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Staaten wie China zu entwickeln. Allerdings: „Nach der Euphorie-Phase und eines gelegentlich unkritischen Umgangs mit dem Thema sollte man jetzt auch nicht in das genaue Gegenteil verfallen. Exzellente Wissenschaft braucht internationale Kooperationen“, so die Uni Wien gegenüber APA-Science.

Service: Handreichung (pdf) zur Exportkontrolle an österreichische Universitäten

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