Stärkung der Waldbiodiversität bringt nachhaltige Investitionen
Mit der EU-Taxonomie soll die Nachhaltigkeit und Transparenz von Investitionen definiert werden. Der Wert des Waldes zur Eindämmung der Klimawandels wird dabei berücksichtig, jedoch nicht der Wert zum Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt, schreibt das European Forest Institute (EFI). In einer Studie unter Mitwirkung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien konnte laut EFI gezeigt werden, "wie die waldbezogene Biodiversität in die EU-Taxonomie einbezogen werden könnte, um nachhaltige Investitionen in Wälder zu fördern".
Der Bericht liefert den Angaben zufolge Leitlinien für eine auf die biologische Vielfalt ausgerichtete Waldbewirtschaftung, schlägt 26 quantitative Indikatoren und Beispiele für Schwellenwerte vor, die im Rahmen des EU-Taxonomiestandards anwendbar wären. Außerdem werden Überwachungsmethoden für kosteneffiziente Bewertungen der Waldbiodiversität und der Einhaltung der Taxonomie vorgestellt.
"Es gibt ausreichende wissenschaftliche Grundlagen, um festzustellen, welche Waldbewirtschaftungsmaßnahmen für die Artenvielfalt von Vorteil sind und welche nicht", erklärte Hauptautor Gert-Jan Nabuurs von der niederländischen Wageningen University and Research: "Wir haben ein gutes Gleichgewicht zwischen Biodiversitätsgewinnen und Renditen gefunden. Ein gewisser Ertragsverlust kann möglicherweise durch Emissionszertifikate ausgeglichen werden, während eine Überlastung von Investoren und Forstverwaltern mit Bürokratie vermieden werden muss." Auf diese Weise könnten Anreize für dringend benötigte Investitionen in die europäischen Wälder geschaffen werden.
Einheitlicher Ansatz funktioniert nicht
Außerdem müsse beachtet werden, dass ein einheitlicher Ansatz für komplexe Waldökosysteme und vielfältige nachhaltige Bewirtschaftungsoptionen nicht funktioniere, ergänzte Ko-Autorin Stefanie Linser von der Boku: "Wir empfehlen einen biogeografisch-spezifischen Ansatz und schlagen daher in dieser Studie Bereiche für unsere Biodiversitätsindikatoren und Schwellenwerte vor."
In der EFI-Aussendung heißt es weiters, die EU-Taxonomie sei ein Schritt, um Anreize für Investitionen in die Waldbewirtschaftung mit hohem ökologischen Wert zu schaffen, aber ihre Berichtspflichten seien nur ein Schritt im Gesamtpuzzle der Biodiversitätsfinanzierung. Damit würde man auch einer zunehmenden Zahl von Geldgebern im Forstbereich entgegenkommen, die ihre Investitionen mit dem Schutz der biologischen Vielfalt in Verbindung setzen.
Service: Nabuurs, G.J., Begemann, A., Linser, S., Paillet, Y., Pettenella, D., zu Ermgassen, S. 2024. Sustainable finance and forest biodiversity criteria. From Science to Policy 16. European Forest Institute. https://doi.org/10.36333/fs16