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Gastbeitrag / Regina Obexer und Julia Waldegger / Mittwoch 01.12.21

Car­bon Liter­acy Trai­ning am MCI: Wis­sen ent­wi­ckeln, Bewusst­sein schär­fen, Ver­ant­wor­tung übernehmen

Der aktuelle Bericht des Weltklimarates hat aufgezeigt, dass die Erderwärmung zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbränden führt. Diese Auswirkungen bemerken wir auch bereits bei uns in Europa. Auf der COP26, dem UN-Klimagipfel, haben sich die Führungsspitzen der Länder getroffen, um dringende Maßnahmen zu treffen, um die Emission von Treibhausgasen bis 2030 zu minimieren.

Natürlich sind Handlungen auf staatlicher Ebene sehr wichtig, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen. Auch wir als Einzelpersonen können in unterschiedlicher Weise dazu beitragen: Man kann die eigenen Emissionen reduzieren und andere überzeugen, dabei mitzumachen, man kann auch am Arbeitsplatz darauf hinwirken, dass Emissionen reduziert werden und man kann sich im öffentlichen und politischen Bereich dafür einsetzen.

Ein wichtiger erster Schritt ist es dabei, möglichst vielen Menschen die CO2-Kosten und Auswirkungen von alltäglichen Aktivitäten bewusst zu machen und sie dabei zu unterstützen, die Motivation und Fähigkeit zu entwickeln, Emissionen auf allen Ebenen zu reduzieren. Dieses Bewusstsein wird als Carbon Literacy bezeichnet. Der Begriff Carbon Literacy wurde von der gemeinnützigen Organisation Carbon Literacy Project geprägt.

Um Studierende dabei zu unterstützen Carbon Literate zu werden, veranstalten Regina Obexer und Julia Waldegger im Sommersemester 2022 ein Carbon Literacy Training am MCI. Dabei lernen die Studierenden zunächst in Grundzügen den wissenschaftlichen Hintergrund der Klimakrise. Dazu gehört beispielsweise, wie Treibhausgase entstehen, wie sie gemessen werden können, wie sie zur Erderwärmung beitragen und wie wir sie wieder aus der Atmosphäre entfernen können.

Durch das Carbon Literacy Training kann man besonders auch seinen CO2-Instinkt schärfen. Wenn es um Geld geht, haben wir ein Gefühl dafür, was teuer oder günstig ist. Dieser Sinn für Relationen hilft uns dabei, Entscheidungen zu treffen. Leider ist dieser Sinn für Relationen bei CO2-Kosten sehr viel schwieriger, da diese Kosten für uns nicht sichtbar und oft auch nicht direkt spürbar sind. Im Carbon Literacy Training fokussieren wir uns besonders auf die CO2-Kosten in den Bereichen Nahrung, Transport und Konsum. Als kleines Beispiel aus dem Bereich Konsum: laut der Europäischen Umweltagentur werden in Europa im Schnitt jährlich pro Person 26 kg an Kleidung konsumiert, wovon 11 kg im selben Jahr wieder weggeworfen werden. Nur ein geringer Bestandteil der Kleidung wird recycelt, das meiste davon landet im Müll. Im Training haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Möglichkeit, gemeinsam über ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren, mögliche Strategien für eine Reduktion der Emissionen zu entwickeln und diese dann auch im täglichen Leben umzusetzen.

Neben individuellen Maßnahmen beschäftigen sich die Studierenden auch mit kollektiven Maßnahmen. Diese können sich beispielsweise auf ihr privates Umfeld, auf ihre Gemeinde, ihren Arbeitgeber oder ihre Universität beziehen. Während des Trainings eignen sich die Studierenden des MCI also nicht nur Wissen und Fähigkeiten an, sondern weisen auch ein persönliches Commitment für eine spezifische Maßnahme zur Senkung von CO2-Emission auf individueller und kollektiver Ebene nach.

Klimagerechtigkeit

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Trainings ist die Klimagerechtigkeit. Auf einer globalen Ebene sehen wir uns dabei gemeinsam mit den Studierenden am MCI an, welche Gruppen – also Länder, Unternehmen, oder auch besonders Wohlhabende – die größten Verursacher für die Klimakrise sind. Oft sind nicht die Verursacher, sondern andere Gruppen besonders hart von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen. Zur Klimagerechtigkeit gehört aber auch die Diskussion, ob klimafreundliches Verhalten in verschiedenen Gesellschaften für alle gleich leistbar ist.

Ein wichtiges Ziel des Trainings ist die Befähigung, selbstsicher mit anderen über den Klimawandel sprechen zu können. Die Studierenden an der Unternehmerischen Hochschule® in Innsbruck lernen, wie sie in ihrem privaten und (späteren) beruflichen Umfeld ihre Carbon Literacy mit anderen teilen können, indem sie auch bei anderen das Bewusstsein und die Motivation wecken, Emissionen zu reduzieren. Dadurch können wir gemeinsam Carbon Literacy mit vielen Menschen und Organisationen teilen, und so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Kurzportrait

Regina Obexer ist Leiterin des Centers for Responsible Management & Social Impact und Hochschullektorin am MCI. Sie koordiniert seit mehreren Jahren die Aktivitäten des MCI im Bereich Bildung für Verantwortung, Nachhaltigkeit und Ethik und ist MCI Koordinatorin der UN PRME Initiative sowie Mitglied der Steuerungsgruppe des UN PRME Chapters DACH. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle zwischen digitalem Lernen, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Responsible Management, und Hochschulentwicklung im Rahmen der grünen und digitalen Wende.

 

Julia Waldegger arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Studiengang BWL Online am MCI. Sie studierte Rechtswissenschaften und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist es, die Integration von Responsible Management in die Lehre am Studiengang zu unterstützen. Dafür arbeitet sie mit Lehrenden bei der Entwicklung von Lehr- und Lernformaten zu Aspekten von Responsible Management zusammen.  Neben ihrer Tätigkeit im Rahmen von Forschung und Lehre am Studiengang BWL Online ist sie auch in unterschiedlichen Initiativen des Responsibility & Social Impact Centers am MCI involviert.

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