apa.at
Gastbeitrag / Gerhard Zummer / Donnerstag 10.06.21

Distance Lear­ning in der Leh­re: Neue digi­ta­le Ansät­ze in der Aus­bil­dung von Sie­mens Österreich

Foto: Siemens

Siemens bildet seit 100 Jahren Lehrlinge aus. Davon befinden sich derzeit etwa 300 österreichweit in Ausbildung. Das Angebot zeichnet sich durch 17 verschiedene Lehrberufe aus, die in unterschiedlichen Ausbildungsmodellen absolviert werden können. Unser Unternehmen sorgt in Wien, der Steiermark, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg für neue Fachkräfte und bietet dabei folgende Ausbildungsmodelle an: von einer klassischen Lehre über die speziell für Maturanten konzipierte Duale Akademie in Linz bis zu dem österreichweit einzigartigen, dualen ausbildungsbegleitenden Studium, bei dem gleichzeitig Studien- und Berufsabschluss erworben werden.

Wir investieren hier nicht aus Tradition viel Geld und Engagement in die Ausbildung junger Menschen, sondern weil wir vom Wert der Lehre überzeugt sind und gut ausgebildete Fachkräfte brauchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade in der Pandemie war es uns besonders wichtig, unverändert auf die Fachkräfte von morgen zu setzen. Denn auch wenn sich in den letzten Monaten so einiges verändert hat, ist eines in der Ausbildung gleichgeblieben: Unser Antrieb, innovative Technologien zu entwickeln, die das Leben der Menschen verbessern, Dinge zum Laufen zu bringen, die andere für unmöglich halten, und zu verwirklichen, worauf es ankommt.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie haben wir uns rasch an die neuen Gegebenheiten angepasst. Allerdings wurde bei Siemens auch schon davor in der Ausbildung verstärkt auf Digitalisierung gesetzt. So bekommt beispielsweise jeder Lehrling bei seinem Start in die Ausbildung seinen eigenen Laptop inkl. Zubehör (Rucksack, Headset, etc.). Die Umstellung auf mobiles Lernen und flexibles Arbeiten war so viel schneller möglich.

Seit ein paar Monaten ist das sogenannte Future Lab im Trainings-Center Wien im Einsatz und mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Konkret handelt es sich hierbei um ein modernes Ausbildungslabor am Standort Siemensstraße in Wien, in dem unsere jungen Fachkräfte optimal auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet werden.

Im Future Lab lässt sich die digitale Transformation der Produktion hautnah miterleben. Um Prototypen für Projekte kostengünstig und schnell fertigen zu können, fertigen unsere Auszubildenden Zeichnungen in CAD-Programmen an. Diese können  anschließend auf einem 3D-Drucker aus­gedruckt werden. Darüber hinaus gibt es auch Trainings­einheiten zum Thema Robotik, die von den Grundlagen und der Roboter-Mecha­nik bis zur Simulation von Bewegungsab­läufen auf einem Roboterklon reichen.  Auf ei­ner Übungswand mit Produkten und Lö­sungen nach modernstem Siemens-In­dustriestandard können unsere Lehrlinge eine intelligente Fertigung si­mulieren und programmieren. Schließ­lich steht, um die virtuelle Welt live erle­ben und unterschiedliche Schulungen ohne Gefahr und schwerer Schutzausrüs­tung absolvieren zu können, neben ei­nem Schweiß-Simulator auch ein kom­plettes VR-Equipment mit unterschiedli­chen virtuellen Lern- und Übungspro­grammen zur Verfügung.

Bei Siemens selbst nutzen wir also die digitalen Möglichkeiten für neue Formen der Zusammenarbeit und des Lernens. Und genau das wird auch in der Ausbildung bei Siemens vermittelt: Offenheit für Veränderungen und ein Mindset, das ungewöhnliche Perspektiven zulässt und neue Ideen fördert.

Dabei ist es besonders wichtig, auch überfachliche Kompetenzen nicht aus den Augen zu verlieren. Denn gerade im Distance Learning haben sich diese Fähigkeiten als besonders wichtig erwiesen: Etwa Skills im Umgang mit digitalen Endgeräten, für die Erstellung von digitalen Inhalten oder auch für die virtuelle Kommunikation und Zusammenarbeit.

Außerdem wurden die Aktivitäten in Bezug auf Methodik und Didaktik ausgebaut. Dazu gehört beispielsweise auch der Einsatz  virtueller Lernformate, wie beispielsweise „Web Based“-Trainings.

Digital- und Medienkompetenzen sind mittlerweile die Basis für nahezu alle Bereiche beruflicher Handlungsfähigkeit. Beispiele sind Videokonferenzen für eine umfassende Kommunikation, Teamarbeit über die Distanz hinweg oder digitale Hilfsmittel zur Organisation der modernen Arbeitswelt. Durch das Distance Learning hat sich bei Siemens Österreich die standortübergreifende, als auch die länderübergreifenden Projektzusammenarbeit unter den Auszubildenden weiter verstärkt, was wir auch künftig noch weiter ausbauen möchten.

Auch nach der Pandemie werden wir unsere Ausbildung in einem „hybriden Lernmodell“ – bestehend aus virtuellen Phasen und Präsenzphasen – abhalten. Dies wird auch sowohl von den Trainerinnen und Trainern, als auch von den Lernenden gewünscht und sehr gut angenommen.

Kurzportrait

Gerhard Zummer leitet die Fachkräfteausbildung bei Siemens Österreich. Er ist zusätzlich verantwortlich für die strategische Ausrichtung der Learning Aktivitäten. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Ausgestaltung neuer Ausbildungsmöglichkeiten auf Basis des dualen Ausbildungsmodells und der Verbindung von Lehrausbildung und ausbildungsbegleitendem Studium. Als langjähriger Experte im Bereich Human Resources begleitet er die kontinuierliche Weiterentwicklung von Lehrberufen. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist die Schaffung von Strukturen für eine kontinuierliche Weiterbildung und Höherqualifizierung von Fachkräften. In aktuellen Projekten bearbeitet er mit seinem Team zum Beispiel an länderübergreifenden Ausbildungsinitiativen mit Nachhaltigkeitszielen. Ein wesentlicher Teil ist die Verbindung von digitaler, virtueller Ausbildung mit der klassischen technischen Ausbildung in Trainingscentern.

Stichwörter