Neue Ideen, damit Europa sich an Klimaextreme anpassen kann
Von Hochwasserwarnsystemen in Dänemark bis zu waldbrandresistenten Landschaften in Spanien arbeiten Forschende mit den Gemeinschaften vor Ort zusammen, um praktische Möglichkeiten für das Leben mit dem Klimawandel zu finden, zu testen und umzusetzen.
Viele stellen sich einen tobenden Waldbrand so vor, dass er eine schwarze, leblose Landschaft hinterlässt. Doch nachdem eine Feuersbrunst 2009 durch Las Hurdes in Extremadura (Spanien) gefegt war, bot sich ein anderes Bild. Inmitten der verbrannten Erde blieben kleinere grüne Flächen erhalten, auf denen gesunde, unversehrte Bäume standen.
Aus der Entfernung sah es so aus, als ob die Flammen einfach genau vor ihnen Halt gemacht hätten. Dies war jedoch kein Zufall. Fernando Pulido, Umweltforscher an der Universität von Extremadura hatte sich damit befasst, wie die Ausbreitung von Waldbränden verlangsamt werden kann. Der Schwerpunkt seiner Forschung lag auf „produktiven Brandschneisen“ – sorgsam geplante Flächen mit verschiedenen Vegetationsarten, um das Feuer auf seinem Weg zu bremsen. In Las Hurdes hat dies gut funktioniert.
„Man kann Brände nicht allein mit Hubschraubern und Wasser bekämpfen. Wir brauchen auch andere Strategien, damit diese gewaltigen Feuer weniger zerstörerisch sind“, so Pulido. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Im Sommer 2025 verbrannten 45 000 Hektar Land in Extremadura – eine der wärmsten Regionen Spaniens, die immer anfälliger für Waldbrände wird. Projektionen zufolge wird es dort nur noch heißer und trockener.
Mehr als ein Jahrzehnt später nutzt Pulido seine Studien von damals im Rahmen von RESIST, einem umfassenden, über fünf Jahre laufenden und von der EU geförderten Forschungsprojekt, um anfälligen Regionen zu helfen, sich gegen den Klimawandel zu wappnen.
Andere Orte, ähnliche Probleme?
Extremadura ist kein Einzelfall. Überall in Europa sind viele zwar nicht mit denselben, aber mit anderen drängenden Klimarisiken konfrontiert. In einigen Regionen sind das Überschwemmungen und Erdrutsche, in anderen wiederum Dürre, Bodenerosion und extreme Hitze. Forschende fanden heraus, dass Lösungen für ein spezifisches Risiko an einem Ort häufig an anderer Stelle angepasst und dort genutzt werden können.
RESIST vereint Forschende, lokale Behörden und Unternehmen in ganz Europa, um über 100 Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel zu testen und weiterzuentwickeln – von neuen Technologien bis zu einer anderen Bodenbewirtschaftung und Raumplanung. Auf diese Weise sollen der zeitliche Aufwand und das Risiko reduziert werden, die sich ergeben, wenn neue Ideen aus der Testphase in die praktische Nutzung überführt werden.
Viele Regionen liegen zwar geografisch weit voneinander entfernt, weisen aber ähnliche Umweltbedingungen auf. Hochwassergefährdete landwirtschaftliche Flächen in der Mitte Dänemarks haben viel mit Flussbecken in Südlettland gemeinsam, während die Bedingungen in Katalonien, das von Hitze und Dürre betroffen ist, Teilen Süditaliens ähneln. Indem jeweils zwei solcher Gebiete als „Partnerregionen“ – passende Räume mit denselben klimatischen Herausforderungen – zusammengebracht werden, können Forschende und Unternehmen testen, ob Lösungen von einem Ort auf einen anderen übertragen werden können.
„Diese Regionen stehen vor vielen verschiedenen Herausforderungen und haben unterschiedliche Bedürfnisse“, so Vilija Balionyte-Merle, RESIST-Projektkoordinatorin bei der norwegischen Forschungseinrichtung SINTEF. „Man muss mit den Menschen reden, die dort leben, um wirklich zu verstehen, was sie bewegt, und konkret etwas zu bewirken. Nur dann kann man nach den wirkungsvollsten Lösungen suchen und sie sowohl vor Ort als auch in den Partnerregionen anwenden.“
Digitale Hilfsmittel zur Anpassung an den Klimawandel
Im zentralen Dänemark, wo es immer wieder zu Überschwemmungen kommt, verbinden Forschende und Unternehmen verschiedene Ansätze, um besser auf den Klimawandel vorbereitet zu sein.
Zum einen werden Gebäude angepasst, damit sie den Fluten besser standhalten. Mit Instrumenten für erweiterte Realität können die Bevölkerung vor Ort und die Planungsteams sich vor der Einführung von Veränderungen veranschaulichen, wie diese sich auswirken würden. Dadurch wird es einfacher, zu planen und die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen.
Zum anderen geht es um Frühwarnung. Ein Netz unterirdischer Sensoren wird installiert, um den Grundwasserstand zu überwachen – oft ein Frühindikator für Hochwasser. Die Daten werden in eine Frühwarn-App eingespeist, die Behörden und die Bevölkerung vor Ort alarmieren kann, bevor das Hochwasser zu sehen ist.
Außerdem erstellen Forschende digitale Replikate oder „digitale Zwillinge“ lokaler Landschaften. Mit diesen Modellen können unterschiedliche Hochwasserszenarien virtuell getestet werden – eine Hilfe bei der Wahl der wirksamsten Maßnahmen, bevor in die physische Infrastruktur investiert wird.
All diese Instrumente – das Ergebnis von Konsultationen zwischen Forschenden und den Endnutzern – sollen den Beteiligten vor Ort mehr Zeit verschaffen und die Schäden bei Überschwemmungen verringern. Die Lösungen, die in Dänemark entwickelt werden, werden anschließend in Regionen mit einem ähnlichen Profil angewandt, z. B. Zemgale in Lettland und Blekinge in Schweden.
Im Einklang mit der Natur
Nicht immer geht es um technologische Lösungen. In Extremadura konzentriert sich Pulido darauf, die Landschaft selbst neu zu gestalten. Große Waldflächen sind dort unzureichend bewirtschaftet oder völlig verwaist und somit anfälliger für Waldbrände. Dem Land wird wenig wirtschaftlicher Wert beigemessen, und so ist der Anreiz, es in gutem Zustand zu erhalten und vor Waldbränden zu schützen, gering.
Pulido und sein Team richten jetzt zusammen mit den Kommunen produktive Brandschneisen ein, wie er sie zuerst in Las Hurdes getestet hat. Dabei handelt es sich um Streifen von Land, auf denen heimische, gemischte Bestände angepflanzt werden – anstelle von Monokulturen wie Eukalyptus oder Kiefern – um das Waldbrandrisiko zu reduzieren. Daneben werden Maßnahmen wie die Beweidung oder der Anbau feuerbeständiger Nutzpflanzen wie Oliven gefördert. Wenn Land Einkünfte bringt, ist es wahrscheinlicher, dass es gepflegt wird.
„Veränderungen der Landschaft müssen immer wirtschaftlich sinnvoll sein, sonst sind sie nicht von Dauer“, sagt Pulido. Lokale Behörden, Landwirtinnen und Landwirte und Unternehmen werden bei der Gestaltung dieser Maßnahmen eng eingebunden. Neue Ansätze sollen nicht nur getestet werden; es geht auch darum, dass sie übernommen und langfristig angewandt werden.
„Wir arbeiten mit Bürgermeistern, Verbänden und Unternehmen zusammen“, erklärt Pulido. „Wenn sie einbezogen werden, ist es wahrscheinlicher, dass sie die von uns jetzt entwickelten Strategien auch anwenden.“
Solche naturbasierten Lösungen ergänzen die technologischen Instrumente, die in anderen Regionen entwickelt werden. Die lokalen Behörden erhalten dadurch ein breiteres Spektrum an Optionen, um die Überschwemmungen, Waldbrände, Dürren und anderen Klimarisiken in ihren Regionen bewältigen zu können.
Verstärkte Wirkung örtlicher Testprojekte
Dies alles ist Teil weiter reichender Anstrengungen in Europa im Rahmen der EU-Mission „Anpassung an den Klimawandel“, um den Regionen dabei zu helfen, sich bis zum Ende des Jahrzehnts an den Klimawandel anzupassen. Viele der Instrumente, die jetzt entwickelt werden, darunter Frühwarnsysteme und Planungsmodelle, dürften bis 2027 in größerem Maße einsatzbereit sein, wobei die Zielsetzung weit über das Enddatum des Projekts hinausreicht.
Es soll nicht nur den unmittelbar betroffenen Regionen geholfen werden; vielmehr wird nach Lösungen gesucht, die an anderen Orten übernommen werden können. Alles in allem könnten diese Ansätze Millionen von Menschen in ganz Europa nutzen, wenn sie erst einmal in größerem Umfang angewandt werden und die EU-Mission „Anpassung an den Klimawandel“ weiterhin die Regionen Europas unterstützt.
“Wir wollen, dass die Instrumente, Strategien und Kenntnisse, die wir entwickeln, auch künftig den Gemeinschaften helfen, sich an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen,” sagt Balionyte-Merle.
Von Bárbara Pinho
**Das in diesem Artikel beschriebene Projekt wurde im Rahmen der EU-Mission „Anpassung an den Klimawandel“ gefördert. EU-Missionen sind von der EU geförderte Initiativen zur Mobilisierung von Forschung, Politik sowie Bürgerinnen und Bürgern, um die größten real bestehenden Herausforderungen in der Zeit bis 2030 anzugehen.
Weitere Informationen:
Dieser Artikel wurde ursprünglich in Horizon, dem Forschungs- und Innovationsmagazin der EU, veröffentlicht.