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Mehr zum Thema / Anna Riedler / Donnerstag 10.06.21

Aus­lands­se­mes­ter im Ausnahmezustand

Ausgerechnet zu einer Zeit, wo jeder Grenzübertritt eine Herausforderung bedeutet und die meisten Hochschulen ihre Studierenden nur auf Bildschirmen zu Gesicht bekommen, haben Katharina, Maximilian und Chih den Schritt ins Ausland gewagt und in den Niederlanden, Spanien und der Schweiz ein Auslandssemester begonnen. APA-Science hat mit den drei österreichischen Studierenden über ihre Erfahrungen gesprochen.
Foto: APA/AFP

"Wir Studenten haben uns eine eigene virtuelle Welt eingerichtet"

Katharina (24) hat Logopädie und Sprachwissenschaft in Graz studiert und macht seit 2020 ihren Master in Sprachwissenschaft („Language and Cognition“) an der Uni Groningen in den Niederlanden
Katharina, ...

... wieso hast du dich dazu entschieden, ausgerechnet jetzt ein Auslandssemester zu machen?
Ich habe bereits vor Covid-19 geplant, den Master im Ausland zu machen. Für mich hat eine solche Erfahrung einfach sehr viel Wert.

 

Auslandsstudium während Corona, wie ist das so? 

Bis Weihnachten war der Unterricht noch hybrid. Das heißt, ein Teil der Studierenden war vor Ort, während der Rest von zuhause aus dabei war. Wer auf die Uni kommen wollte, musste sich am entsprechenden Tag online eintragen. Diese Beschränkung war besonders an den ungewöhnlich leeren Fahrradparkplätzen vor der Uni erkennbar. Seit Weihnachten ist alles online, was die Leute erfinderisch macht. Eine Professorin hat beispielsweise begonnen, wöchentlich eine Stunde Yoga via Videotelefonie mit unserer Klasse zu machen. Die Universität bietet außerdem die Möglichkeit, statt über herkömmliche Videotelefonie in selbstgestalteten virtuellen Welten mit anderen zu interagieren. Jede/r Teilnehmende bewegt sich dort mit einem eigenen Avatar. Befindet man sich in einem „gemeinsamen Raum“, kann man sich gegenseitig hören und sehen. Diese Plattform wird für Lehrveranstaltungen, Teammeetings sowie als virtuelle Büros genutzt. Wir Studenten haben uns eine eigene virtuelle Welt eingerichtet, in der wir uns zum Lernen, für Kaffeepausen, Spieleabende oder einfach nur für ein bisschen Gesellschaft während der Arbeit treffen.

 

Was ist dein Fazit?
Es hat sich definitiv gelohnt. Ich lerne nicht nur im Studium viel Neues, sondern auch das Land, die Leute und deren Sprache besser kennen. Natürlich gibt es aktuell Beschränkungen, aber man erlebt dennoch das alltägliche Leben anderswo.

Lernen am Strand

Maximilian (20) studiert European Economy & Business Management (BA) an der FH des BFI Wien und macht aktuell sein Auslandssemester in Cádiz, Spanien
Maximilian, ...

... wieso hast du dich dazu entschieden, ausgerechnet jetzt ein Auslandssemester zu machen?
Mir war von Beginn meines Studiums klar, dass ich ein Semester im Ausland studieren möchte, da es mich schon über fasziniert neue Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen und ich das Reisen liebe. Da mein Studiengang mir nur die Möglichkeit bietet, im 4. Semester meines Bachelorstudiums, in welchem ich mich gerade befinde, ein Auslandssemester zu absolvieren, entschied ich mich trotz Pandemie und unklarer Situation mich für einen Erasmus-Aufenthalt zu bewerben und diesen schlussendlich auch anzutreten.

 

Auslandsstudium während Corona, wie ist das so? 

Mein Semester begann Anfang Februar, wie in Österreich, mit Distance-Learning, jedoch waren die übrigen Einschränkungen bedeutend weniger, sodass es leicht war, soziale Kontakte zu knüpfen und neue Freunde kennenzulernen.
Nach Ostern wurde in einen Hybrid-Modus gewechselt, wodurch man eine Woche Onlinevorlesungen hat und in der nächsten Woche an die Universität geht. Am 9.Mai wurde der Corona- Notstand in Spanien beendet und damit einher gingen auch weitere Lockerungen wie die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre oder die Öffnungen der Diskotheken bis 2 Uhr in der Früh.


Was ist  dein Fazit?

Schlussendlich bin ich sehr froh, dass Auslandssemester angetreten zu haben, da ich viele neue Bekanntschaften knüpfe und wertvolle Erfahrungen sammele. Hierzu muss ich doch auch hinzufügen, dass ich Glück habe mit der Wahl meiner Destination und den Corona-Maßnahmen in Spanien. Diese erlaubten mir, ein Erasmus-Semester zu erleben, was schon sehr nah an meine Vorstellung heranreicht.

„Nach dem schlechtesten Start ist es immer besser geworden“

Chih (29) studiert Bühnen- und Filmgestaltung an der Angewandten in Wien und macht ihr Auslandssemester in Zürich
Chih, ...

... wieso hast du dich dazu entschieden, ausgerechnet jetzt ein Auslandssemester zu machen?
Es war keine Absicht, dass ich jetzt ins Ausland gehe. Ich war auch lange unsicher, ob ich die Zusage annehmen sollte. Am Ende wurde ich sehr inspiriert und ermutigt von der Koordinatorin vom international office und meinem Freund. „Betreffend Corona-Situation müssen wir ja ohnehin alle  überall immer von einen Tag zum anderen leben!“

 

Auslandsstudium während Corona, wie ist das so? 

Es hat ehrlich gesagt ein paar Wochen gedauert, bis ich das Gefühl hatte, richtig angekommen zu sein. Mir war vor dem Auslandsemester bewusst, dass einige Kurse vor Ort stattfinden werden, obwohl sie natürlich stark von der Pandemie beeinflusst werden. Für mich war es schon sehr genussvoll, und ich war erwartungsvoll, da ich die letzten zwei Semester keine einzige Lehrveranstaltung vor Ort belegt habe.

Ich bin einen Tag vor dem Einführungskurs in die Schweiz eingereist. Nach dem ersten ergiebigen Tag an der Hochschule wurde ich von meinem Mitbewohner darüber informiert, dass er positiv getestet wurde, daher sollte ich ab sofort zuhause in Quarantäne bleiben. Es konnte keinen schlechteren Start geben. Ich saß vor meinem Tisch und dachte, bald bin ich an der Reihe und werde auch positiv sein.

 

Was ist dein Fazit?

Ich habe lange gebraucht, mich an die lockere Haltung hier gegenüber der Pandemie zu gewöhnen. Mit der Zeit habe ich angefangen, die entspannte Haltung wertzuschätzen, mit der die Leute hier mit den Maßnahmen umgehen. Ich denke nicht, dass ich bisher viel verpasst habe, sondern dankbar sein kann, dass ich bis jetzt trotzdem so viel lernen und sehen konnte. Nach dem schlechtesten Start ist es immer nur besser geworden.

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