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Mehr zum Thema / Stefan Thaler / Mittwoch 17.12.25

„FORTE“: Militärische Innovation als Forschungsziel

„arma et scientia ex officio“, also militärische Fähigkeit und wissenschaftliche Erkenntnis in gegenseitiger Ergänzung: Unter diesem Leitspruch läuft das österreichische Forschungsprogramm „FORTE“, das zur militärischen Innovations- und Leistungsfähigkeit beitragen soll. Aktuell werden 14 Projekte mit 5,9 Mio. Euro gefördert. Damit soll auch der Sprung auf die internationale Bühne und zu besser dotierten Fördertöpfen erleichtert werden. Allerdings gelten für Forschende hier etwas andere Regeln.
Credit: APA/AFP/Symbolbild Neue Technologien sollen rascher marktreif werden

„In Österreich legen wir schon seit längerem wieder einen Fokus auf Verteidigungsforschung“, erklärte Josef Eberhardsteiner, Vorsitzender der Wissenschaftskommission im Verteidigungsministerium, das die Förderschwerpunkte festlegt, gegenüber APA-Science. Die Themenpalette der aktuellen Anträge reicht von Maßnahmen gegen autonome Drohnen bis zur militärischen Unterstützung durch den Einsatz von Exoskeletten.

FORTE (Forschung und Technik) ergänzt das zivile Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS, bei dem Rüstungs- und Verteidigungsforschung explizit ausgeschlossen sind, und das auf Cybersicherheit ausgelegte Instrument Kypernet-Pass. Zusammen ergibt das die sogenannte „Österreichische Sicherheitsklammer“, im Rahmen derer das Finanzministerium zurzeit 44 Projekte mit 19 Millionen Euro fördert. Für die Umsetzung ist die Forschungsförderungsgesellschaft FFG zuständig.

Türöffner für europäische Fördermittel

Neben der Verbesserung der Verteidigungsbereitschaft werde dabei auch gezielt versucht, heimische Forschung und Wirtschaft näher an europäische Programme heranzuführen und Türen für die Beteiligung an Projekten, etwa des European Defence Fund (EDF), zu öffnen. Denn die Verteidigungsforschung auf europäischer Ebene „spielt sich unter den Großen ab. Wenn man unbekannt ist, dann wird man an diese Töpfe nicht herankommen“, so Eberhardsteiner. Das nationale Verteidigungsbudget fließe allerdings in erster Linie in Geräte und Infrastruktur. „Das große Wachstum bei den Forschungsmitteln wird es nicht geben. Deswegen mein Plädoyer: Auf nach Europa.“

Praxisnahe Aufgaben können gefahrlos geübt werden (Credit: VRVis/Bundesheer/Heereslogistikschule)
Trainieren im virtuellen Munitionslager

Das Risiko im Umgang mit Munition zu reduzieren, ist Ziel des Projekts „Virtual Reality – Visuelle Inspektion von Munition“. Mittels digitaler Simulation und Visualisierung sollen praxisnahe Aufgaben gefahrlos geübt werden können. Dazu gehören Zugangskontrolle, das Öffnen einzelner Bunker oder das Inventarisieren und Versiegeln der Munitionskisten, so der Visual Computing-Spezialist VRVis, der das Werkzeug zusammen mit der Heereslogistikschule entwickelt hat. Im Einsatz sei das Virtual Reality (VR)-Tool unter anderem im Rahmen einer Kooperation von Vereinten Nationen und Bundesheer zur internationalen Ausbildung von technischen Expertinnen – spezifisch zugeschnitten auf Frauen.

Durch die in den nationalen Projekten aufgebauten Kompetenzen eröffne sich ein Netzwerk, durch das man leichter Anschluss an internationale Konsortien und Zugang zu länderübergreifenden Kooperationen findet, meinen auch Forschende, die an entsprechenden Projekten beteiligt sind. Zugänge, Abläufe und Regulatorien würden sich bei zivilen Programmen wie KIRAS und Verteidigungsforschung wie FORTE aber teilweise unterscheiden.

Bezüglich „Open Science“ und Publikationen gebe es spezifische Regelungen. Außerdem würden an sicherheitsrelevanten Projekten Beteiligte entsprechend überprüft. Auftraggeber bei militärischer Forschung hätten ein bestimmtes Ziel und eine langfristige Strategie, während sich das zivile Ökosystem mit unterschiedlichen Beteiligten und Anforderungen wesentlich heterogener zeige.

Neben einer klaren Anforderungsbeschreibung sei das Bundesheer sehr stark in die einsatzorientierte Testung und Evaluierung der Forschungsergebnisse und Prototypen eingebunden, erklärte Rudolf Zauner, der die im Verteidigungsministerium angesiedelte Abteilung Wissenschaft, Forschung und Entwicklung (WFE) leitet. Das würde zu kürzeren Entwicklungszyklen, einer starken Anwendungsorientierung und einer rascheren Integration neuer Technologien in die Truppe führen.

Gespräche über Anknüpfungspunkte

Neben FORTE gebe es auch Bestrebungen, mit anderen Fördereinrichtungen Forschungsprogramme einzurichten, das sei aber noch nicht konkret, so Eberhardsteiner. Inhaltliche Überschneidungen gebe es naturgemäß mit der „Kommission für die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Dienststellen des Bundesministeriums für Landesverteidigung“ an der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), der er als Obmann vorstehe, und verbundenen Einrichtungen wie dem Institut für Technikfolgenabschätzung (ITA). Hier könnte es künftig, gerade im Hinblick auf Dual-Use, sehr wertvolle Impulse und Kooperationen geben.

 

Eberhardsteiner plädierte dafür, das Thema neu zu bewerten und die Rolle innerhalb der Gesellschaft aufzuarbeiten. Grundlagenforschung und daraus entstehende Technologieentwicklung seien aus seiner Sicht – mit Ausnahmen – neutral. „Kein Wissenschafter denkt an einen möglichen zivilen oder militärischen Endzweck“, sagte der Werkstoffwissenschafter und ehemalige Vizerektor an der Technischen Universität (TU) Wien.

Josef Eberhardsteiner (Credit: Johannes Zinner)

Wichtig sei, auch in der Gesellschaft Informations- und Kommunikationsarbeit zu leisten, „um die Rolle von Dual-Use halbwegs neutral darzustellen“, meinte Eberhardsteiner. Aus Forschersicht brauche es konkrete Rahmenbedingungen: „Letztendlich darf der einzelne Wissenschafter nicht mit der Entscheidung allein gelassen werden, ob er eine bestimmte Art von Forschung betreiben kann oder nicht. Da spielen viele Dinge eine Rolle“, fordert er entsprechende Unterstützungsmaßnahmen.

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