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Mehr zum Thema / Katharina Polsterer / Dienstag 24.08.21

Gehör­los Spra­che verarbeiten

Im Gehirn akti­viert Spra­che ein für sie typi­sches Netz­werk, ganz gleich, ob gespro­chen oder gebär­det wird. Aber wie genau wird die ÖGS im Gehirn ver­ar­bei­tet? Wel­che Unter­schie­de gibt es da zu einer Laut­spra­che, wie Deutsch? Und wie funk­tio­niert eigent­lich die Gram­ma­tik der ÖGS? Im regen Aus­tausch mit der Gehör­lo­sen­ge­mein­schaft ver­sucht die Salz­bur­ger Sprach­wis­sen­schaf­te­rin Julia Krebs unbe­ant­wor­te­te Fra­gen wie die­se zu beantworten.
Foto: APA/dpa

Lan­ge Zeit sind Gebär­den­spra­chen nicht als voll­wer­ti­ge Spra­chen ange­se­hen wor­den. Das habe sich vor allem in den 1980er-Jah­ren zuneh­mend geän­dert, als die ers­ten gehör­lo­sen Pati­en­ten mit neu­ro­lo­gi­schen Sprach­stö­run­gen, genau­er gesagt Apha­si­en, wis­sen­schaft­lich unter­sucht wor­den sind, erklärt die ÖGS-For­sche­rin im Gespräch mit APA-Sci­ence. „Man woll­te zei­gen, dass Gebär­den­spra­chen rich­ti­ge Spra­chen sind“, so die Exper­tin. Dabei sei erkannt wor­den, dass bei einer Schä­di­gung von sprachr­e­le­van­ten Hirn­area­len die Gebär­den­spra­che des Pati­en­ten betrof­fen ist. Spä­ter habe man mit­hil­fe bild­ge­ben­der Ver­fah­ren, wie bei­spiels­wei­se funk­tio­nel­ler Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fie (fMRT), auch in neu­ro­wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen gesun­der Gebär­den­der gese­hen, dass an der Gebär­den­sprach­ver­ar­bei­tung sehr ähn­li­che Hirn­area­le betei­ligt sind wie an der Laut­sprach­ver­ar­bei­tung, erzählt Krebs.

„Heu­te ist es ganz klar, dass durch Spra­che ein bestimm­tes Sprach­netz­werk akti­viert wird, egal ob es eine Gebär­den- oder Laut­spra­che ist“, sagt Krebs. Trotz die­ser Erkennt­nis sei­en in dem jun­gen For­schungs­feld noch zahl­rei­che Fra­gen offen. Die Exper­tin lis­tet eine Aus­wahl an Bei­spie­len auf: Wel­che Ver­ar­bei­tungs­me­cha­nis­men kann man für alle Spra­chen der Welt beob­ach­ten? Wie wer­den Gebär­den­spra­chen im Kin­des­al­ter und spä­ter erwor­ben? Gibt es Unter­schie­de zwi­schen dem Gebär­den- und dem Laut­sprach­er­werb? Gibt es Unter­schie­de zwi­schen mehr­spra­chi­gen Per­so­nen, die bei­spiels­wei­se eine Gebär­den- und eine Laut­spra­che beherr­schen, und mehr­spra­chi­gen Per­so­nen, die etwa zwei Laut­spra­chen sprechen?

Apha­sie

Die Ame­ri­can Speech-Lan­guage-Hea­ring Asso­cia­ti­on (ASHA) defi­niert Apha­sie als Sprach­stö­rung, die infol­ge einer Schä­di­gung der sprachr­e­le­van­ten Hirn­area­le auf­tritt. In den meis­ten Fäl­len wird eine Apha­sie durch einen Schlag­an­fall ver­ur­sacht. Kon­kre­te Sym­pto­me unter­schei­den sich indi­vi­du­ell und kön­nen die Sprach­pro­duk­ti­on oder ‑per­zep­ti­on glei­cher­ma­ßen betref­fen. Zur Sprach­pro­duk­ti­on zäh­len das Spre­chen, Gebär­den und Schrei­ben, wäh­rend Sprach­per­zep­ti­on das audi­tive oder gebär­de­te Sprach­ver­ste­hen und das Lesen meint.

Die For­schung mit Apha­sie-Pati­en­ten hat einen wich­ti­gen Bei­trag zur Aner­ken­nung von Gebär­den­spra­chen als eigen­stän­di­ge Spra­chen geleistet.

Gram­ma­ti­ka­li­sche Unter­schie­de in der Handbewegung

Krebs selbst inter­es­siert sich der­zeit beson­ders für die Bewe­gun­gen der Hän­de und deren gram­ma­ti­ka­li­sche Bedeu­tun­gen. Mit­hil­fe von 3D Moti­on Cap­tu­re kann die Dyna­mik von Bewe­gun­gen sehr prä­zi­se gemes­sen werden.

In einem For­schungs­team, bestehend aus Wis­sen­schaf­te­rin­nen und Wis­sen­schaf­tern aus Salz­burg und den USA, hat sie so einen Unter­schied zwi­schen Verb­klas­sen der ÖGS-Gram­ma­tik fest­ge­stellt, der durch die zeit­li­che Kom­po­nen­te der Bewe­gung mar­kiert wird. Teli­sche Ver­ben, die einen End­punkt impli­zie­ren (z.B. „ankom­men“), wei­sen eine kür­ze­re Dau­er, mehr Beschleu­ni­gung, sowie ein stär­ke­res Abbrem­sen am Ende auf als ate­li­sche Ver­ben, die kei­nen End­punkt ein­be­zie­hen (z.B. „rad­fah­ren“). „Einen Unter­schied in der Dau­er kann man viel­leicht noch am Video erken­nen, aber die Beschleu­ni­gungs­aspek­te und deren zeit­li­cher Ver­lauf sind für eine sub­jek­ti­ve Video­ana­ly­se zu sub­til“, erklärt Krebs. Die ers­ten Ergeb­nis­se aus die­ser Stu­die sind kürz­lich auf einer wis­sen­schaft­li­chen Kon­fe­renz prä­sen­tiert wor­den (sie­he Event visi­bi­li­ty in sign lan­guage moti­on: Evi­dence from Aus­tri­an Sign Lan­guage).

 

 

 

Daten­samm­lung durch 3D Moti­on Capture

Moti­on Cap­tu­re kann sub­ti­le und prä­zi­se Bewe­gun­gen fest­hal­ten und in Daten und Bil­der über­set­zen In der Film- und Gaming­bran­che wird die Tech­no­lo­gie schon seit vie­len Jah­ren ein­ge­setzt (sie­he Foto). An der Uni­ver­si­tät Salz­burg wer­den am Fach­be­reich Sport- und Bewe­gungs­wis­sen­schaft anhand die­ses Sys­tems übli­cher­wei­se sport­li­che Ana­ly­sen, wie etwa des Gehens, Lau­fens oder Schi­fah­rens gemacht, berich­tet Krebs.

 

In die­sem Expe­ri­ment wur­de in Zusam­men­ar­beit mit der Arbeits­grup­pe Bio­me­cha­nik erst­mals ÖGS unter­sucht. Für die­se sprach­wis­sen­schaft­li­che Stu­die wur­de unter ande­rem ein reflek­tie­ren­der Mar­ker auf dem Hand­ge­lenk der Gebär­den­den ange­bracht und so die Dyna­mik der Hand­be­we­gun­gen wäh­rend des Gebär­dens gemessen.

Kogni­ti­ve Ver­ar­bei­tungs­me­cha­nis­men sprach­li­cher Strukturen

Kennt man gram­ma­ti­ka­li­sche Struk­tu­ren der ÖGS, kön­ne man in einem wei­te­ren Schritt deren kogni­tiv-neu­ro­na­le Ver­ar­bei­tung erfor­schen, sagt die Wis­sen­schaf­te­rin. Bei­spiels­wei­se hat sie gemein­sam mit Ihren For­schungs­kol­le­gin­nen und ‑kol­le­gen anhand von Elek­tro­en­ze­pha­logra­fie-Mes­sun­gen (EEG) her­aus­ge­fun­den, dass es in der ÖGS, genau­so wie im Deut­schen, eine Sub­jekt­prä­fe­renz gibt. Damit ist eine Sprach­ver­ar­bei­tungs­stra­te­gie gemeint. Beginnt ein Satz mit einem Nomen, des­sen gram­ma­ti­ka­li­scher Fall nicht ein­deu­tig mar­kiert ist, gehen sowohl ÖGS- wie auch Deutsch­spra­chi­ge ten­den­zi­ell davon aus, dass es sich um das Sub­jekt des Sat­zes han­delt. Stellt sich aber spä­ter im Satz her­aus, dass es sich dabei um ein Objekt gehan­delt hat, muss der Satz im Gehirn neu ana­ly­siert wer­den. „In dem Fall kön­nen wir einen erhöh­ten neu­ro­na­len Ver­ar­bei­tungs­auf­wand beob­ach­ten“, erläu­tert die Expertin.

Ein kon­kre­tes Bei­spiel aus dem Deut­schen ist in einer ihrer wis­sen­schaft­li­chen Fach­pu­bli­ka­tio­nen, Sub­jekt­prä­fe­renz in der Öster­rei­chi­schen Gebär­den­spra­che (ÖGS), zu fin­den. „Ich glau­be, dass die Prin­zes­sin Frö­sche küsst“ ist für deut­sche Mut­ter­sprach­ler dem­zu­fol­ge ten­den­zi­ell mit einem gerin­ge­ren neu­ro­na­len Ver­ar­bei­tungs­auf­wand ver­bun­den als „Ich glau­be, dass die Prin­zes­sin Frö­sche küs­sen“. Im zwei­ten Satz steht die geküss­te Prin­zes­sin (das Objekt des Sat­zes) vor den küs­sen­den Frö­schen (dem Sub­jekt des Sat­zes). Den­sel­ben Sprach­ver­ar­bei­tungs­me­cha­nis­mus konn­ten Krebs und ihre Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen für die Ver­ar­bei­tung ana­lo­ger Struk­tu­ren in der ÖGS beobachten.

Neben der Sub­jekt­prä­fe­renz fal­len auch wei­te­re Ähn­lich­kei­ten zwi­schen per­zep­ti­ven Ver­ar­bei­tungs­me­cha­nis­men von Laut- und Gebär­den­spra­chen auf. Es sei etwa für Spre­chen­de sowie für Gebär­den­de ein­fa­cher ech­te Wör­ter oder Gebär­den zu ver­ar­bei­ten als soge­nann­te Pseu­do­wör­ter oder ‑gebär­den, die in der Ziel­spra­che kei­ne Bedeu­tung haben (z.B. „Din­fe“ im Deut­schen). Dies wird Lexi­ka­li­täts­ef­fekt genannt, sagt Krebs.

Auch in der Sprach­pro­duk­ti­on kom­men ver­gleich­ba­re Mus­ter vor. „Es gibt Ver­spre­cher in Laut­spra­chen. Es gibt Ver­ge­bärd­ler in Gebär­den­spra­chen“, nennt die For­sche­rin als Bei­spiel. Wäh­rend Spre­chen­de „Tip-of-the-tongue“-Phänomene erle­ben („Es liegt mir auf der Zun­ge“), wer­den bei Gebär­den­den „Tip-of-the-fingers“-Phänomene beschrie­ben. Das heißt, man weiß, was man gebär­den will, die rich­ti­ge Gebär­de ist aber in dem Moment nicht abruf­bar, erläu­tert die Sprachwissenschafterin.

Wo wer­den gebär­de­te und gespro­che­ne Spra­chen verarbeitet?

In der Loka­li­sa­ti­on der neu­ro­na­len Sprach­ver­ar­bei­tung gibt es eben­so Über­schnei­dun­gen zwi­schen Laut- und Gebär­den­spra­chen, jedoch auch Unter­schie­de. „Es gibt mehr Akti­vie­rung in audi­tiven Ver­ar­bei­tungs­area­len für Laut­spra­chen und mehr Akti­vie­rung in visu­el­len Ver­ar­bei­tungs­area­len für Gebär­den­spra­chen“, so Krebs. Bei­de Sprach­mo­da­li­tä­ten wer­den aber groß­teils im sprach­li­chen Netz­werk der domi­nan­ten Hirn­hälf­te, die meist links sei, ver­ar­bei­tet. Es gebe zudem sowohl für Laut- sowie Gebär­den­spra­chen Akti­vie­run­gen in der nicht-domi­nan­ten Hirn­hälf­te. Die­se sind aller­dings auf­grund der räum­li­chen Ver­ar­bei­tungs­leis­tung wäh­rend der Ver­ar­bei­tung einer Gebär­den­spra­che deut­lich höher, erklärt die Fachfrau.

Gebär­den oder spre­chen im Mutterspracherwerb

Bereits im jun­gen Alter zei­gen sich beim Erwerb von Laut- und Gebär­den­spra­chen ana­lo­ge Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­se. Im Deut­schen nei­gen Kin­der etwa anfangs dazu Wör­ter zu ver­ein­fa­chen. Nach dem­sel­ben Prin­zip wer­den auch Gebär­den der ÖGS erwor­ben, berich­tet Krebs. Ein­fa­che­re Struk­tu­ren wer­den näm­lich vor kom­ple­xe­ren gelernt. „Wir ken­nen aus der Laut­spra­che Bei­spie­le wie ‚Ich trink­te‘ oder ‚Ich lieg­te‘, wenn die Mit­ver­gan­gen­heit noch nicht voll­stän­dig erwor­ben wor­den ist. Ähn­li­che Über­ge­ne­ra­li­sie­run­gen gram­ma­ti­ka­li­scher Regeln sind im ÖGS-Erwerb beob­acht­bar“, so die Forscherin.

Anhand einer Fremd­spra­che lesen lernen

Für tau­be Kin­der ist die Laut­spra­che nicht bar­rie­re­frei zugäng­lich, den­noch ler­nen sie in öster­rei­chi­schen Schu­len deut­sche Tex­te zu lesen. „Der Leseer­werb ist eine dop­pel­te Hür­de für gehör­lo­se Kin­der. Sie müs­sen nicht nur wie hören­de Kin­der die Fer­tig­keit des Lesens erler­nen, son­dern gleich­zei­tig auch eine Fremd­spra­che erwer­ben“, macht Krebs deut­lich. Sie fügt hin­zu, dass dies schwie­rig für betrof­fe­ne Kin­der sei, weil die Sprach­struk­tur des Deut­schen eine ganz ande­re als die der ÖGS sei. „Es gibt Stu­di­en, die zei­gen, dass gehör­lo­se Kin­der, die mit einer Gebär­den­spra­che als Erst­spra­che auf­wach­sen, eine bes­se­re Lese­fä­hig­keit ent­wi­ckeln als gehör­lo­se Kin­der, die ohne einer Gebär­den­sprach­kom­pe­tenz auf­wach­sen. Laut­spra­chen sind für die­se Kin­der nicht bar­rie­re­frei zugäng­lich“, so die Lin­gu­is­tin, „und eine gut aus­ge­bil­de­te Erst­spra­che ist die per­fek­te Basis, um wei­te­re Spra­chen zu erler­nen.“ Krebs weist über­dies dar­auf hin, dass dadurch die schu­li­sche Leis­tung der Kin­der beein­flusst werde.

So argu­men­tiert die Exper­tin, dass gehör­lo­sen Kin­dern aus lin­gu­is­ti­scher und päd­ago­gi­scher Per­spek­ti­ve eine Gebär­den­spra­che ange­bo­ten wer­den sol­le, auch wenn dem betrof­fe­nen Kind eine tech­ni­sche Hör­hil­fe, ein Coch­lea-Implan­tat (CI), ope­ra­tiv ein­ge­setzt wird. „Es ist bei CI-Kin­dern lei­der oft­mals der Fall, dass der Laut­sprach­er­werb nicht ide­al funk­tio­niert. Das kann einem nie­mand im Vor­hin­ein sagen“, sagt Krebs. „Des­we­gen ist eine Gebär­den­spra­che wie ein Sicher­heits­gurt im Auto“, zitiert sie sinn­ge­mäß Kol­le­gen. Dass das Erler­nen einer Gebär­den­spra­che den Laut­sprach­er­werb ein­schrän­ken soll, lässt die Sprach­wis­sen­schaf­te­rin so abso­lut nicht ste­hen: „Genau das Gegen­teil ist der Fall. Man kann zei­gen, dass bei Kin­dern mit einer gut aus­ge­bil­de­ten Erst­spra­che in Form einer Gebär­den­spra­che nicht nur der Leseer­werb, son­dern auch der Laut­sprach­er­werb posi­tiv beein­flusst wird.“

Eng ver­knüpft: ÖGS-For­schung und die Gehörlosengemeinschaft

Auf all die­se For­schungs­fra­gen sucht Krebs nicht auf eige­ne Faust Ant­wor­ten. „For­schung  und von der Gehör­lo­sen­ge­mein­schaft über die Gebär­den­spra­che zu ler­nen ist schön und inter­es­sant und span­nend. Die For­schungs­ar­beit ist aber vor allem für die Com­mu­ni­ty rele­vant. Das ist eigent­lich das Wich­tigs­te dar­an“, ver­deut­licht die Sprach­wis­sen­schaf­te­rin. Es sei ihr wich­tig, ihre For­schung zusam­men mit der Gehör­lo­sen­ge­mein­schaft und vor allem in deren Inter­es­se zu betrei­ben, „weil man eben nur gemein­sam neue Erkennt­nis­se schafft.“

Neu­es Wis­sen zur ÖGS-Gram­ma­tik, zur neu­ro­na­len Ver­ar­bei­tung und zum Sprach­er­werb wer­de gebraucht, um ÖGS als Unter­richts­spra­che und ‑fach umset­zen zu kön­nen. Es ist wich­tig für die Erstel­lung von Lehr­ma­te­ria­li­en sowie die Aus­bil­dung von Pädagog/innen und Dolmetscher/innen, so Krebs.

Die Aner­ken­nung der ÖGS in der Gesell­schaft ist glei­cher­ma­ßen wich­tig, sagt Krebs. „Gebär­den­spra­chen wei­sen alle Aspek­te auf, die auch Laut­spra­chen auf­wei­sen. Sei­en es natio­na­le Vari­an­ten, Dia­lek­te, Sprach­wan­del­pro­zes­se oder wie sie im Gehirn ver­ar­bei­tet wer­den. Es gibt immer noch viel zu wenig Wis­sen dar­über“, so die For­sche­rin. Sie führt ins Tref­fen, dass es für die Hirn­leis­tung Hören­der eben­so för­der­lich sei, eine Gebär­den­spra­che zu erler­nen: „Die visu­ell-räum­li­che Ver­ar­bei­tung und die Gesichts­er­ken­nung wer­den bei­spiels­wei­se gestärkt. Auch wenn wir erst spä­ter eine Gebär­den­spra­che erler­nen.“ Sie selbst sieht bei Gehör­lo­sen nicht die Sin­nes­be­hin­de­rung im Vor­der­grund: „Ich habe tau­be Men­schen nie als behin­dert ange­se­hen. Tau­be Men­schen wer­den durch die hören­de, nicht-gebär­den­spra­chi­ge Gesell­schaft behin­dert. Die Ein­bin­dung der Gebär­den­spra­che als Unter­richts­spra­che und Unter­richts­fach in den Gehör­lo­sen­bil­dungs­be­reich, sowie die Ein­füh­rung von ÖGS als Unter­richts­fach auch für hören­de Schü­le­rin­nen und Schü­ler sind essen­ti­el­le Maß­nah­men um Bar­rie­ren im Bil­dungs­be­reich und in der Gesell­schaft abzubauen.“

Zur Per­son

Julia Krebs wur­de 1987 in Vöck­la­bruck (Ober­ös­ter­reich) gebo­ren. Durch Zufall ist sie auf die drei­jäh­ri­ge Dol­met­schaus­bil­dung GES­DO (Gebär­den­sprach­dol­met­schen) in Linz gesto­ßen, die sofort ihr Inter­es­se geweckt hat. Beim Bewer­bungs­ge­spräch ist sie das ers­te Mal mit Gehör­lo­sen in Kon­takt gekom­men. Nach ihrer Aus­bil­dung zur ÖGS-Deutsch-Dol­met­sche­rin hat sie Sprach­wis­sen­schaft an der Paris-Lodron-Uni­ver­si­tät Salz­burg stu­diert. Sie hat das Dok­to­rat abge­schlos­sen und arbei­tet jetzt als Post­doc in der For­schungs­grup­pe Neu­ro­bio­lo­gy of Lan­guage am Fach­be­reich Lin­gu­is­tik der Uni­ver­si­tät Salz­burg. Ihre For­schungs­schwer­punk­te sind die neu­ro­na­le Ver­ar­bei­tung von Gebär­den­spra­chen und die Gram­ma­tik der ÖGS. Bei­de The­men hän­gen für Julia Krebs stark zusam­men, weil man die neu­ro­na­le Ver­ar­bei­tung einer sprach­li­chen Struk­tur nur erfor­schen kön­ne, wenn man auch wis­se, wie die­se Struk­tur funktioniert.

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