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Mehr zum Thema / Stefan Thaler / Mittwoch 17.12.25

Hightech-Evakuierung soll (mehr) Leben retten

Wenn die smarten Sensoren in der Kleidung oder am Körper bei einem Kampfeinsatz eine Verletzung oder Kontaminierung melden, kommt die Hightech-Evakuierung in Gang: Ein unbemanntes Boden- oder Luftfahrzeug nähert sich möglichst automatisiert, nimmt die Person auf und führt nach einer ferngesteuerten Diagnose auch gleich robotergestützt eine Erstversorgung durch. Das ist zumindest die Vision des noch bis Ende 2026 laufenden Forschungsprojekts „iMEDCAP“.
Credit: Avilus Bei der Evakuierung sollen Rettungsdrohnen zum Einsatz kommen

Dabei wird mit österreichischer Beteiligung, gefördert vom European Defense Fund und einem Budget von knapp 25 Millionen Euro an einem innovativen Rettungssystem geforscht. Natürlich könnten manche Erkenntnisse auch für zivile Zwecke, etwa nach Naturkatastrophen, verwendet werden. „Ziel ist aber vor allem, neue militärische Fähigkeiten für die medizinische Evakuierung zu entwickeln“, erklärte Markus Bergen von Joanneum Research. Also etwa verwundete Soldaten oder Einsatzkräfte zu retten. Geleitet wird das Projekt von Florian Holzapfel von der Technischen Universität München.

Ausgangslage sind aktuelle, unter Mitwirkung des österreichischen Bundesheeres entwickelte Szenarien, bei denen mehrere Personen verletzt beziehungsweise mit Strahlungs- oder Giftsubstanzen kontaminiert sind, und es gleichzeitig eine hohe Bedrohung sowie beschränkte Ressourcen für ihre Rettung gibt. Es muss daher versucht werden, die Patienten ohne Ärzte oder Sanitäter möglichst automatisiert aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu bergen. Das könnte eine große Drohne, die im Projekt vom deutschen Partner Avilus entwickelt wird, oder ein Raupenfahrzeug der Firma Milrem sein, so Bergen. Noch während des Transports sollen mittels digitalem Monitoring Zustandsverschlechterungen rasch und unmittelbar festgestellt werden.

Schnelle Reaktion auf Verschlechterungen des Zustands möglich (Credit: Avilus)
Notversorgung durch Roboter noch während Transport

Dazu tüftelt die Firma Autoflug an einer sogenannten „Patienten-Box“, die mit Überwachungstools, Kommunikationseinrichtungen und einem von der TU München bereitgestellten Roboterarm ausgestattet ist. Das soll ermöglichen, lebenserhaltende Maßnahmen, etwa das Setzen einer Bandschlinge, die einen Blutverlust verhindert, oder Injektionen bei Vergiftungserscheinungen schon während des Transports durchzuführen.

 

Joanneum Research übernimmt dabei die Digitalisierung der Datenströme – beginnend vom Zeitpunkt der Verletzung bis zur Übergabe an eine medizinische Einrichtung. Voraussetzung für den Hightech-Rettungseinsatz sind allerdings auch „smarte“ Textilien (von der Vorarlberger Firmengruppe Grabher entwickelt) und am Körper getragene Sensoren, die Herz- und Atemfrequenz, Körpertemperatur und andere Werte aufzeichnen – diese ermöglichen eine Gesundheitsbewertung des Patienten. Die Daten werden an eine Koordinierungsstelle geleitet, die eine Reihung vornimmt und gezielt Menschen evakuiert, die besonders schnell Hilfe brauchen.

Mensch entscheidet final, KI unterstützt

„Im Hintergrund setzen wir natürlich auf Künstliche Intelligenz, um die Unmenge an Daten effizient zu verarbeiten. Daraus ergeben sich Vorschläge. Aber die finale Entscheidung trifft immer noch der Mensch“, erläuterte der Experte. In der Praxis würde eine medizinisch geschulte Person in einem Koordinierungscenter mehrere transportierte Patienten überwachen. Im Fall von Blutverlust oder bei einem Verdacht auf Schädel-Hirntrauma mache das System Vorschläge, was als nächster Schritt sinnvoll wäre. Das soll eine in dieser Situation bestmögliche Behandlung bis zum Erreichen eines Versorgungszentrums sicherstellen.

Service: Forschungsprojekt „iMEDCAP

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