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Mehr zum Thema / Jochen Stadler / Mittwoch 01.12.21

Treib­haus­ga­se – Men­gen und Trends in Österreich

Öster­reich ist mit sei­nem Aus­stoß an Treib­haus­ga­sen am glo­ba­len Tem­pe­ra­tur­an­stieg betei­ligt. Sie stam­men hier­zu­lan­de genau­so wie welt­weit vor­wie­gend aus der Ver­bren­nung fos­si­ler Ener­gie­trä­ger, vul­go Erd­öl, Erd­gas und Koh­le. „Natür­li­che“ Ursa­chen für die rasan­te Kli­ma­er­wär­mung schlie­ßen die Wis­sen­schaf­ter mitt­ler­wei­le fast kom­plett aus. 
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Bereits heu­te liegt der mitt­le­re glo­ba­le Tem­pe­ra­tur­an­stieg rund 1,2 Grad Cel­si­us über dem vor­in­dus­tri­el­len Niveau und die Jah­re 2014 bis 2020 waren die wärms­ten der mensch­li­chen Mess­ge­schich­te. In Öster­reich war der Tem­pe­ra­tur­an­stieg bis­lang sogar dop­pelt so hoch wie im glo­ba­len Mit­tel. Das wird laut Model­len wei­ter­hin so sein. Der 2‑Grad Anstieg ist dem­nach in Öster­reich schon Realität.

Kli­ma­schutz­be­richt 2021

Laut Kli­ma­schutz­be­richt 2021 wur­den in Öster­reich im Jahr 2019 79,8 Mil­lio­nen Ton­nen CO2-Äqui­va­lent aus­ge­sto­ßen. Das waren 1,5 Pro­zent mehr als im Jahr davor. Die Haupt­ver­ur­sa­cher sind: Ener­gie und Indus­trie: 43,8 Pro­zent, Ver­kehr: 30,1 Pro­zent, Land­wirt­schaft: 10,2 Pro­zent und Gebäu­de: 10,2 Pro­zent. Der Rest ent­fällt auf

Posi­tiv zu ver­mel­den hat der Bericht: Die Emis­sio­nen der öffent­li­chen Kraft- und Fern­wär­me­wer­ke  sind seit 1990 um 43,4 Pro­zent zurück­ge­gan­gen, vor allem, weil dort statt Koh­le und Öl ver­mehrt Gas und erneu­er­ba­re Ener­gie­trä­ger genutzt wer­den. Im Gebäu­de­sek­tor sind die Emis­sio­nen seit 1990 um 36,8 Pro­zent gesun­ken. „Das ist vor allem auf Maß­nah­men im Bereich der ther­mi­schen Sanie­rung, auf den stei­gen­den Anteil von erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern, die Erneue­rung von Hei­zungs­an­la­gen und den höhe­ren Anteil von Fern­wär­me zurück­zu­füh­ren“, heißt es im Bericht. Sie sind dadurch im Ver­gleich zu den Kli­ma­zie­len „auf Schie­ne“. Aller­dings wur­den hier in den jüngs­ten Jah­ren kei­ne Ver­bes­se­run­gen mehr ver­zeich­net. Stei­gen­de Zah­len von Haupt­wohn­sit­zen und grö­ße­re Wohn­flä­chen pro Ein­woh­ner min­dern die Ein­spa­run­gen. Auch die Emis­sio­nen aus der Abfall­wirt­schaft haben um 44,9 Pro­zent abge­nom­men und lie­gen ein Fünf­tel unter den Ziel­vor­ga­ben. Die Ener­gie- und Indus­trie-Emis­sio­nen sind um 3,9 Pro­zent gerin­ger als 1990.

In der Land­wirt­schaft sind die Emis­sio­nen eben­falls gesun­ken, näm­lich um 14,3 Pro­zent. Sie liegt aber noch knapp über den Kli­ma­schutz­ge­setz-Vor­ga­ben. Zunächst gab es hier grö­ße­re Ein­spa­run­gen durch abneh­men­den Vieh­be­stand. Die­ser sta­bi­li­sier­te sich jedoch ab etwa 2005 und damit auch die Treibhausgasemissionen.

In der Land­nut­zung wur­de 1990 bis 2019 mehr auf­ge­nom­men als abge­ge­ben, das heißt, sie ist eine „Net­to-Sen­ke“. Und zwar in allen sie­ben Haupt­ka­te­go­rien: Wald, Acker, Grün­land, Feucht­ge­bie­te, Sied­lungs­raum, sons­ti­ges Land und Holz­pro­duk­te. Sie schluck­ten vier bis 19,7 Mil­lio­nen Ton­nen pro Jahr.

Sor­gen­kind Verkehr

Nega­tiv ist: Die Emis­sio­nen aus dem Ver­kehr haben seit 1990 trotz immer stren­ge­rer Abgas­nor­men und moder­ne­rer Tech­nik um 74,4 Pro­zent zuge­nom­men. Sie stei­gen seit 2013 kon­ti­nu­ier­lich, nach­dem sie zwi­schen 2005 und 2012 san­ken. Bio­kraft­stof­fe könn­ten die Emis­sio­nen ver­rin­gern, doch wegen der bil­li­gen Prei­se von „klas­si­schen“ Ben­zin und Die­sel wer­den sie aktu­ell nur in sehr gerin­gem Maße bei­gemischt. Im Sek­tor Ver­kehr wur­den die Ziel­wer­te deut­lich (um 2,2 Mil­lio­nen Ton­nen CO2-Äqui­va­lent gegen­über dem Ziel­wert 2019) über­schrit­ten. Im Sek­tor Land­wirt­schaft wur­den sie knapp ver­fehlt. Eine Über­erfül­lung gab es bei Industrie/Energie (1,2 Mil­lio­nen), Abfall­wirt­schaft (0,5 Mil­lio­nen) und auch mini­mal im Gebäudesektor.

Der Weg zum Netto-Null

Sämt­li­che Indus­trie­staa­ten, also auch Öster­reich, müs­sen bis Mit­te des Jahr­hun­derts (also inner­halb der kom­men­den drei Jahr­zehn­te) fast kom­plett auf fos­si­le Ener­gie­trä­ger ver­zich­ten und „Net­to-Null-Emis­sio­nen“ schaf­fen, um das Kli­ma­ziel von Paris zu errei­chen. Die Reduk­ti­ons­vor­ha­ben sind laut Kli­ma­schutz­be­richt dafür aber zu schwach und wür­den das Kli­ma im Durch­schnitt um mehr als 3 Grad anstatt der anvi­sier­ten 1,5 bis 2 Grad Cel­si­us anheizen.

Mit bestehen­den Maß­nah­men wür­den im bes­ten Fall 17 Pro­zent weni­ger Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2050 erreicht. Auch mit den schon zusätz­lich anlau­fen­den Maß­nah­men wären nur 28 Pro­zent Rück­gang mög­lich, des­halb bräuch­te es wei­te­re Anstren­gun­gen, wie „die Öko­lo­gi­sie­rung des Steuer‑, Anreiz- und Abga­ben­sys­tems“, so die Autorin­nen und Autoren des Kli­ma­schutz­be­rich­tes: „Wich­tig ist auch eine jeweils rasche und ambi­tio­nier­te Beschluss­fas­sung und Umsetzung“.

Das Bud­get ist schon zu einem Drit­tel aufgebraucht

Das Koh­len­stoff­bud­get ist jene Men­ge an CO2-Emis­sio­nen aus anthro­po­ge­nen Quel­len, wel­che noch frei­ge­setzt wer­den kann, um ein bestimm­tes Ziel zu errei­chen. Für Öster­reich hat das Wege­ner Cen­ter für Kli­ma und Glo­ba­len Wan­del der Uni­ver­si­tät Graz berech­net, dass es 1.000 Mil­lio­nen Ton­nen CO2-Äqui­va­lent von 2017 bis 2050 beträgt. 314 davon wur­den bereits bis 2020 ver­braucht, fast ein Drit­tel wur­de also inner­halb von drei Jah­ren „ver­schleu­dert“.

Die Kon­sum-basier­ten Emis­sio­nen lagen 1997 bis 2011 um 50 bis 60 Pro­zent über den Pro­duk­ti­ons-basier­ten. Das heißt: Die Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­cher kau­fen Sachen zu, die anders­wo CO2-Emis­sio­nen ver­ur­sacht haben, zum Bei­spiel Koh­le­strom, Kraft­fahr­zeu­ge, Bau­ma­te­ri­al und Waren des Gesund­heits­be­reichs. Auch das Kon­sum­ver­hal­ten müss­te sich dem­nach in Öster­reich ändern, um die tat­säch­li­chen CO2-Emis­sio­nen zu senken.

Emis­sio­nen der Bundesländer

2018 betru­gen die Treib­haus­gas­emis­sio­nen in Ober­ös­ter­reich 27 Pro­zent, Nie­der­ös­ter­reich 23 Pro­zent, Stei­er­mark 17 Pro­zent, Wien 11 Pro­zent, Tirol und Kärn­ten je 6 Pro­zent, Salz­burg 5 Pro­zent, Vor­arl­berg 3 Pro­zent, Bur­gen­land 2 Prozent.

 

Öster­reich im EU-Vergleich:

Pro Kopf betru­gen 2019 die Treib­haus­gas-Emis­sio­nen in den EU-27 Staa­ten durch­schnitt­lich 8,1 Pro­zent. In Öster­reich lagen sie mit 9 Ton­nen leicht über dem Mittelwert.

 

Öster­reich im glo­ba­len Vergleich:

2018 lagen die Pro-Kopf-CO2-Emis­sio­nen in Öster­reich mit 8 Ton­nen deut­lich über dem glo­ba­len Durch­schnitt von 4,9 Ton­nen. Deutsch­land hat damals zum Vergleich9,1 Ton­nen, Chi­na 7,9 und die USA 16 Tonnen.

Die wich­tigs­ten Treibhausgase

Treib­haus­ga­se wie Koh­len­stoff­di­oxid (CO2), Methan (CH4) und Stick­stoff­di­oxid (N2O) absor­bie­ren die lang­wel­li­ge infra­ro­te Wär­me­strah­lung, die von der Erd­ober­flä­che aus­ge­sen­det, und ansons­ten in den Welt­raum abge­strahlt würde.

 

CO2/Kohlendioxid
Ein Treib­haus­gas, das ca. 120 Jah­re in der Atmo­sphä­re bleibt. Trägt 60% zur glo­ba­len Erwär­mung bei und ent­steht vor allem, wenn man fos­si­le Brenn­stof­fe verbrennt.

 

Flu­o­rier­te Treib­haus­ga­se (F‑Gase)
Die­se Treib­haus­ga­se kom­men im Gegen­satz zu Koh­len­di­oxid, Methan und Lach­gas nicht in der Natur vor. Sie wer­den künst­lich her­ge­stellt und sind zum Bei­spiel in Käl­te­mit­teln, Feu­er­lö­schern und Dämm­stof­fen ent­hal­ten und wer­den bei der Halb­lei­ter­pro­duk­ti­on frei.

 

Lach­gas
Ein Gas mit dem 298-fachen Treib­haus­po­ten­ti­al von CO2, das im Schnitt 114 Jah­re in der Atmo­sphä­re bleibt. Trägt 5–6% zur glo­ba­len Erwär­mung bei und ent­steht vor allem in der Landwirtschaft.

 

Methan
Ein Gas mit dem 25-fachen Treib­haus­po­ten­ti­al von CO2, bleibt 9–15 Jah­re in der Luft. Stammt in glei­chen Tei­len aus Land­wirt­schaft und Indus­trie, und trägt 20% zur glo­ba­len Erwär­mung bei.

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