PräNUDGE: Digitale Gesundheitsmotivation mit gesellschaftlichem Mehrwert
Das kürzlich gestartete FFG-Projekt PräNUDGE wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Anzahl gesunder Lebensjahre der Bevölkerung Österreichs zu erhöhen. Durch die Kombination von evidenzbasierter Gesundheitsförderung mit Nudging-Strategien, also dem gezielten Anstoßen von Verhaltensänderungen, sollen Bürger*innen zu gesünderem Verhalten motiviert werden. Joanneum Research HEALTH ist Projektkoordinator.
"Wir entwickeln im Rahmen des Projekts eine Plattform zur Integration standardisierter Lebensstildaten aus Apps. So sollen Gesundheitsdienstleister und öffentliche Institutionen verfügbare Daten besser für die Präventionsarbeit nutzen können und eine nachhaltige präventive Gesundheitspolitik gefördert werden", erklärt Projektleiter und HEALTH-Institutsdirektor Franz Feichtner.
Digitalisierung in der Medizin ist ein heißes Thema. Mit Hilfe von Daten und deren Verarbeitung sollen Gesundheitsförderung und Prävention effizienter gestaltet werden. Im Gegensatz zu kommerziellen Fitness- und Gesundheits-Apps wie Garmin oder Apple Health liegt der Mehrwert von PräNUDGE in der Integration von Gesundheitsdaten auf einer nicht profitorientierten Plattform. Ziel ist es, gesellschaftlichen Nutzen zu generieren und langfristig die Prävention im öffentlichen Gesundheitssystem zu verankern. Der Wert von Daten hängt unter anderem von deren Qualität und Interoperabilität ab. Deswegen wird im Rahmen des Projekts ein Qualifizierungsprozess für Gesundheits-Apps entwickelt, der nicht nur die Nutzbarmachung der Daten sicherstellt, sondern auch die Vertrauenswürdigkeit der Apps bei den Bürger*innen erhöhen soll.
PräNUDGE basiert auf einer modularen, interoperablen Plattform, die Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen bündelt. Qualifizierte Apps bilden dabei die Schnittstelle zwischen Bürger*innen und der Plattform. Vier österreichische Unternehmen werden die Grundlagen für die derartige Apps aufbauen: Medicus AI, dccx, telbiomed und Kurvenkratzer.
Digital Nudging
Internationale Studien zeigen, dass digitale Lösungen das Gesundheitsverhalten nachhaltig beeinflussen können und dass Nudging - gezieltes Anstoßen von Verhaltensänderungen - wirksam ist. PräNUDGE nutzt diese Erkenntnisse, um gezielte Empfehlungen zur Gesundheitsförderung zu entwickeln. Susann Fiedler, Leiterin des Instituts für Cognition & Behavior an der Wirtschaftsuniversität Wien, wird dazu ein eigenes Arbeitspaket leiten, wo in einem Bürgerbeteiligungsprozess personalisierte, motivationsfördernde Ansprachen für Apps erforscht und vertrauensfördernde Merkmale von Gesundheitsplattformen identifiziert werden, um hohe Akzeptanz und Nutzung zu gewährleisten.
Langfristig soll die Plattform im österreichischen Gesundheitswesen genutzt werden. Dafür ist das Future Health Lab (FHL) verantwortlich, das in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Impact Hub Vienna 2023 gegründete "Innovationszentrum für die Gesundheitsversorgung der Zukunft". Das FHL leitet ein Arbeitspaket, das sich in einem Multi-Stakeholder-Prozess ausschließlich um die nachhaltige Nutzung der Ergebnisse und um deren Implementierung in die präventive Gesundheitspolitik beschäftigt.
Ein zentraler technischer Partner im Projekt ist HEALTH, das Institut für Biomedizinische Forschung und Technologien der Joanneum Research. Das Institut bringt seine Expertise in den Bereichen Datenanalyse, künstliche Intelligenz und digitale Gesundheitslösungen ein. Das Team um Franz Feichtner sorgt zusammen mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) für die datenschutzkonforme Verarbeitung und Speicherung der erfassten Informationen. Darüber hinaus trägt Joanneum Research zur Optimierung der Plattformarchitektur bei und stellt zusammen mit dem AIT sicher, dass die gesammelten Daten für wissenschaftliche und gesundheitspolitische Zwecke nutzbar gemacht werden können. "Wir erstellen im Projekt ein Konzept für einen Austrian Lifestyle Health Data Space, der Daten aus bestehenden Datensilos integrieren soll", erklärt Feichtner.
Mehrwert für medizinisches Fachpersonal
PräNUDGE soll in Zukunft einen entscheidenden Vorteil für Ärztinnen und Ärzte bieten. Während derzeit präventionsrelevante Daten wie Bewegungs-, Ernährungs-, Schlaf- oder psychische Gesundheitsinformationen oft nicht vorliegen, könnte eine systematische Erfassung und Bereitstellung dieser Daten im Rahmen des PräNUDGE-Systems medizinische Entscheidungen erheblich verbessern. So wären etwa der Alkoholkonsum oder Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz nicht nur isoliert, sondern im Kontext anderer Gesundheitsparameter sichtbar.
Fokus auf spezifische Zielgruppen
Ein gewisser Fokus ist wichtig um auch möglichst konkrete verwertbare Ergebnisse zu generieren und um nicht zu allgemein zu bleiben. Daher richtet sich PräNUDGE zunächst gezielt an Jugendliche und Kinder, Arbeitslose sowie Berufstätige und fokussiert auf die Erhebung von Gesundheitsdeterminaten, die die Entwicklung folgender Krankheiten beeinflussen: Diabetes, Darmkrebs, Depression und COPD. Zukünftig könnte die Plattform aber natürlich auch auf andere Nutzergruppen und andere Krankheiten ausgedehnt werden.
Projektpartner und Finanzierung
PräNUDGE ist ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt mit Beteiligung von 14 österreichischen Partnern aus Wissenschaft, Gesundheits- und Technologieunternehmen. Es wird durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert und verfolgt das Ziel, Gesundheitsdaten im Sinne der Gesellschaft nutzbar zu machen.
Beteiligt sind neben Joanneum Research: Wirtschaftsuniversität Wien, Duervation GmbH, telbiomed Medizintechnik und IT Service GmbH, FUTURE HEALTH LAB GmbH, Medizinische Universität Graz, APCA - Austrian Primary Care Association eGen, Medizinische Universität Wien, Medicus AI GmbH, AstraZeneca Österreich GmbH, Kurvenkratzer GmbH, Universität Wien, dccx GmbH, AIT Austrian Institute of Technology GmbH.
Die JOANNEUM RESEARCH ist Innovations- und Technologieanbieter im Bereich der angewandten Forschung. Als Forschungsgesellschaft der Länder und Regionen prägen wir mit unseren Forschungskompetenzen die Entwicklung unserer modernen Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig und menschenzentriert. Als multidisziplinäres Team in flexiblen, innovationsfreundlichen Strukturen leben wir höchste gesellschaftliche und wissenschaftliche Ansprüche.
Rückfragen: DDI Dr. Franz Feichtner JOANNEUM RESEARCH HEALTH Neue Stiftingtalstraße 2, 8010 Graz Tel.: 0664 6028764003 E-Mail: franz.feichtner@joanneum.at