apa.at
Thema

Das Erd­gas-Dilem­ma

Wel­che Mög­lich­kei­ten hat Öster­reich für den Weg in eine unab­hän­gi­ge, kli­ma­neu­tra­le Zukunft?
Foto: APA/dpa
Überblick Mehr zum Thema Gastbeiträge

Kli­ma­wan­del auf der einen Sei­te, ein dro­hen­der rus­si­scher Gas­stopp auf der ande­ren Sei­te – egal aus wel­chem Grund, noch nie war die Erd­gas­nut­zung so umstrit­ten wie heu­te. APA-Sci­ence hat sich gemein­sam mit Expert:innen ange­schaut, wel­che Mög­lich­kei­ten es für Öster­reich gibt, eine Ener­gie­kri­se abzu­wen­den und den Weg in eine unab­hän­gi­ge, kli­ma­neu­tra­le Zukunft zu beschreiten.

Was ist Erdgas?

Erd­gas ist ein brenn­ba­res Gas, das haupt­säch­lich aus Methan (CH4) besteht. Die genaue Zusam­men­set­zung von Erd­gas vari­iert aber je nach unter­ir­di­scher Lager- bezie­hungs­wei­se Fund­stät­te. Nor­ma­ler­wei­se ent­steht das farb­lo­se Gas (so wie auch Erd­öl), wenn Mas­sen an abge­stor­be­nen Kleinst­le­be­we­sen im Lau­fe von Jahr­mil­lio­nen in tie­fe Regio­nen der obe­ren Erd­krus­te ver­senkt und dort von hohen Drü­cken und Tem­pe­ra­tu­ren in Erd­gas umge­wan­delt werden.

Die öster­rei­chi­schen Vor­kom­men (im ober­ös­ter­rei­chi­schen Vor­al­pen­land sowie im Wie­ner Becken) ent­stan­den jedoch durch mikro­biel­le Zer­set­zung an Ort und Stel­le, folg­lich also auch ohne jene Tem­pe­ra­tu­ren und Drü­cke, wie sie in tie­fe­ren Regio­nen der Erd­krus­te vor­kom­men. Erd­gas wur­de hier erst­mals 1844 gefunden.

Die Nut­zung von Erd­gas geht angeb­lich bis ins 3. Jahr­hun­dert vor Chris­tus zurück, wo die Ver­bren­nungs­hit­ze in Chi­na dazu genutzt wor­den sein soll, aus Sole Spei­se­salz zu gene­rie­ren. Die indus­tri­el­le Nut­zung kam aber erst im 19. Jahr­hun­dert mit der Grün­dung der ers­ten Erd­gas­ge­sell­schaft, der US-ame­ri­ka­ni­schen Fre­do­nia Gas Light Com­pa­ny, so rich­tig in die Gänge.

Berech­nun­gen des Öl- und Gas­kon­zern Bri­tish Petro­le­um (BP) zufol­ge betra­gen die welt­wei­ten Gas­re­ser­ven, die mit heu­ti­ger Tech­nik wirt­schaft­lich för­der­bar sind, 188 Bil­lio­nen Kubik­me­ter – der glo­ba­le Ver­brauch beträgt jähr­lich etwa 3,8 Bil­lio­nen (davon ver­brauch­te Öster­reich im Vor­jahr etwa 8,5 Mil­li­ar­den Kubik­me­ter). Blei­ben der Ver­brauch und die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten in den nächs­ten Jahr­zehn­ten also gleich, rei­chen die Reser­ven folg­lich theo­re­tisch noch für ein hal­bes Jahrhundert.

Davon ist aber nicht aus­zu­ge­hen, wenn man sich ansieht, dass der Erd­gas­ein­satz in Öster­reich sich von 1970 bis 2019 fast ver­drei­facht hat und von weni­ger als 3 auf bis zu 8,2 Mrd. Kubik­me­ter ange­stie­gen ist. Der Ver­brauch ist stark jah­res­zei­ten­ab­hän­gig: Im Dezem­ber wird knapp drei Mal so viel ver­braucht wie im Juli. Die­se Schwan­kung ist haupt­säch­lich von den Haus­hal­ten und Gas­kraft­wer­ken abhän­gig, wäh­rend der Ein­satz in der Indus­trie im Jah­res­ver­lauf unge­fähr gleich bleibt.

Facts

Erd­gas ist ein brenn­ba­res Gas, das häu­fig zusam­men mit Erd­öl in unter­ir­di­schen Lager­stät­ten vor­kommt. Erd­gas besteht haupt­säch­lich aus Methan (CH4).

Öster­reich bezieht 80 Pro­zent sei­nes impor­tier­ten Erd­ga­ses aus Russland.

Russ­land ver­fügt mit über 37 Bil­lio­nen Kubik­me­tern über die größ­ten Erd­gas­re­ser­ven der Welt.

 

TER­MIN:
23.06.2022, 11:00: Webi­nar „Wär­me­net­ze im Wandel”

 

Mehr zum Thema:

Crash­kurs Ener­gie & Kli­ma der Aus­tri­an Ener­gy Agen­cy: Erd­gas in Öster­reich: Daten & Fakten

FTI-Road­map Geo­ther­mie: http://​go​.apa​.at/​L​y​3​2​C​Nr4

Ver­ein Geo­ther­mie Öster­reich: www​.geo​ther​mie​-oes​ter​reich​.at

Wofür wird Erd­gas verwendet?

 

Etwa sie­ben Pro­zent set­zen sich aus dem Ver­brauch des Ener­gie­sek­tors sowie dem nicht­ener­ge­ti­schen Ver­brauch (also der Ver­wen­dung in che­mi­schen Pro­zes­sen und Pro­duk­ten) zusam­men. 31 Pro­zent wer­den dafür ver­wen­det, elek­tri­sche Ener­gie oder Fern­wär­me her­zu­stel­len. Und 62 Pro­zent des Erd­ga­ses gehen an den ener­ge­ti­schen End­ver­brauch, also über das Gas­netz an den Endkunden.

 

Der ener­ge­ti­sche End­ver­brauch lässt sich wie­der­um auf­split­ten: 57 Pro­zent gehen an die Indus­trie, 30 Pro­zent an die Haus­hal­te und der Rest wird für Ver­kehr, Dienst­leis­tun­gen und Land­wirt­schaft verwendet.

Wem gehört das Erdgas?

Neben Vor­kom­men in den USA und Chi­na liegt ein Groß­teil der welt­wei­ten Gas­re­ser­ven im Nahen Osten, etwa in Iran, Katar, Turk­me­ni­stan und ganz beson­ders in Russ­land, das mit über 37 Bil­lio­nen Kubik­me­tern die mit Abstand größ­ten Reser­ven hat – und die­se in gro­ßem Stil expor­tiert. Öster­reich deckt etwa 22 Pro­zent (jähr­lich 89 Tera­watt­stun­den TWh) des Ener­gie­ver­brauchs mit Erd­gas. Knapp zehn Pro­zent kom­men aus dem Inland, der Rest wird impor­tiert und kommt zu 80 Pro­zent aus Russ­land. Das ist ein sehr hoher Pro­zent­satz, der EU-Schnitt für rus­si­sche Gas­im­por­te liegt bei 40 Prozent.

„Wir haben über die ver­gan­ge­nen 50 Jah­re eine infra­struk­tu­rel­le Abhän­gig­keit von Russ­land auf dem Erd­gas­sek­tor geschaf­fen“, betont Franz Ange­rer, Geschäfts­füh­rer der Aus­tri­an Ener­gy Agen­cy AEA. Eine Ana­ly­se der Ener­gie­agen­tur ergab, dass es frü­hes­tens 2027 mög­lich sein wer­de, ohne rus­si­sches Erd­gas aus­zu­kom­men – „und in die­ser Rech­nung blei­ben Unwäg­bar­kei­ten“, räumt Ange­rer im Bei­trag „Rus­si­sches Gas noch bis min­des­tens 2027 ein Fak­tor” ein.

Die­se Abhän­gig­keit kommt Öster­reich, das 1968 als ers­tes west­eu­ro­päi­sches Land einen Gas-Lie­fer­ver­trag mit der dama­li­gen Sowjet­uni­on unter­zeich­ne­te, nun teu­er zu stehen.

Gas aus, alles aus?

Ein Aus­stieg aus dem Erd­gas ist aber nicht nur in Hin­blick auf die Abhän­gig­keit von Russ­land wün­schens­wert, son­dern auch mit Blick auf die Kli­ma­kri­se, denn Methan, der Haupt­be­stand­teil von Erd­gas, ist ein Treib­haus­gas und 25 bis 30 Mal so kli­ma­wirk­sam wie CO2. Der Krieg in der Ukrai­ne hat die Dring­lich­keit der The­ma­tik vor Augen geführt – und macht durch die gestie­ge­nen Erd­gas­prei­se die bis­her im Ver­gleich teu­re­ren erneu­er­ba­ren Ener­gien plötz­lich konkurrenzfähig.

Wun­der Wasserstoff?

Wäh­rend die EU Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2050 anstrebt, will Öster­reich bereits zehn Jah­re vor­her kli­ma­neu­tral sein. „Öster­reich kann also nicht auf Lösun­gen ande­rer war­ten. Das ist schwie­rig, kann aber eine Chan­ce sein, inter­na­tio­nal mit Inno­va­tio­nen zu punk­ten“, meint Andre­as Indin­ger von der AEA im Bei­trag „Was­ser­stoff wird hoch­ge­fah­ren”.

Aktu­ell baut die öster­rei­chi­sche Ener­gie­ver­sor­gung zu zwei Drit­teln auf dem Import fos­si­ler Ener­gie­trä­ger aus dem Aus­land auf. Laut Ein­schät­zun­gen der AEA wird Öster­reich auch bis zur geplan­ten Kli­ma­neu­tra­li­tät und dar­über hin­aus ein Net­to-Ener­gie­im­por­teur sein, dann aber vor allem durch die Ein­fuhr von grü­nem Was­ser­stoff oder erneu­er­ba­rem Gas. Ist also Was­ser­stoff der Ret­ter in der Not? Kurz­fris­tig, so die Exper­ten, kön­ne er wenig dazu bei­tra­gen, durch die Ener­gie­kri­se wer­de aber immer­hin viel­leicht der Auf­bau einer Was­ser­stoff­in­dus­trie beschleunigt.

So sol­len etwa über das Erneu­er­ba­ren-Aus­bau-Gesetz künf­tig Pro­duk­ti­ons­an­la­gen für Grü­nen Was­ser­stoff mit 40 Mil­lio­nen Euro pro Jahr geför­dert wer­den, erklär­te Kli­ma­schutz­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler am 2. Juni im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz zur Öster­rei­chi­schen Was­ser­stoff­stra­te­gie. Bis 2030 soll in Öster­reich eine Pro­duk­ti­on von 4 TWh grü­nem Was­ser­stoff pro Jahr ent­ste­hen – klingt nicht nach viel, man muss jedoch beden­ken: Was­ser­stoff ist ein knap­pes Gut und wird des­halb am bes­ten gezielt ein­ge­setzt, näm­lich in der Indus­trie, wo die hohen Tem­pe­ra­tu­ren, die H2 lie­fert, am drin­gends­ten benö­tigt wer­den. Des­halb ist geplant, bis 2030 in die­sen Berei­chen 80 Pro­zent des heu­te aus fos­si­lem Erd­gas her­ge­stell­ten Was­ser­stof­fes durch grü­nen Was­ser­stoff zu erset­zen – einer­seits durch den Aus­bau eige­ner Pro­duk­ti­ons­an­la­gen, ande­rer­seits durch inter­na­tio­na­le Part­ner­schaf­ten. Wich­tig sei hier, nicht in eine Abhän­gig­keit wie aktu­ell beim Erd­gas zu gera­ten, betont Gewess­ler: „Wir sehen jetzt gera­de, was Abhän­gig­keit von einem ein­zel­nen Anlie­fe­rer bedeu­tet, das darf uns bei Was­ser­stoff nicht passieren.“

Bio­mas­se und Bio­gas statt Erdgas?

Eine wei­te­re, schnel­le­re Opti­on wäre die Ver­wen­dung von Bio­mas­se. Laut Richard Zwei­ler, Geschäfts­füh­rer von Güs­sing Ener­gy Tech­no­lo­gies, kön­ne man „den gesam­ten End­ener­gie­ver­brauch, den wir der­zeit durch Koh­le, Öl oder Gas bereit­stel­len, durch unse­re eige­nen, sau­be­ren Res­sour­cen erset­zen“, wie er im Gast­bei­trag „Durch Bio­en­er­gie kann mit­tel­fris­tig ein Aus­stieg aus fos­si­len Ener­gie­trä­gern erfol­gen“ erläu­tert. Ein Gas-Aus­stieg lie­ße sich durch die Ver­wen­dung von 27 Mil­lio­nen Fest­me­ter Wald­hack­gut ermög­li­chen, malt Zwei­ler eine Zukunft, in der wir bis 2035 frei von rus­si­schen Dik­ta­to­ren und außer­dem noch Welt­markt­füh­rer bei erneu­er­ba­ren Tech­no­lo­gien sein könnten.

Öster­reich habe Hoch­rech­nun­gen zufol­ge ein Poten­zi­al von bis zu 150 Mil­lio­nen Fest­me­ter Wald­hack­gut für die nächs­ten 15 Jah­re, das soll­te also kein Pro­blem sein – wären da nicht diver­se Hür­den. „Als ein klei­nes Bei­spiel dafür kann die Ein­stu­fung des Brenn­stof­fes in Abfall, oder bio­ge­nen Brenn­stoff genannt wer­den. Durch eine Refor­mie­rung des Abfall­wirt­schafts­ge­set­zes könn­ten zum Bei­spiel zusätz­li­che Brenn­stof­fe erschlos­sen wer­den“, zwei­felt Zwei­ler einen raschen Umstieg auf Bio­mas­se an.

Mög­lich wäre auch die Ver­wen­dung von Bio­gas statt Erd­gas – also durch Ver­gä­rung von Bio­mas­se ent­ste­hen­des Gas, qua­si ein Abfall­pro­dukt der Mikro­ben, die orga­ni­sche Sub­stan­zen wie Bio­ab­fall, Spei­se­res­te, Gül­le oder Gras abbau­en. Bei der Ver­wer­tung wer­den nur jene Koh­len­stoff­men­gen frei­ge­setzt, die von der Bio­mas­se zuvor aus der Atmo­sphä­re gebun­den wur­den; wenn man von Her­stel­lung, Trans­port und Co. absieht, ist es also klimaneutral.

Doch für Bio­gas gebe es in Öster­reich kei­ne direk­te För­de­rung, erklärt Ste­fan Malaschofsky, Geschäfts­füh­rer der Bio­gas­an­la­ge Ener­gie­ver­sor­gung Mar­ga­re­then am Moos, im Bei­trag „Die Bio-Alter­na­ti­ven zu Erd­gas”. Der Krieg in der Ukrai­ne kön­ne nun für ein Umden­ken sor­gen, hofft der Exper­te, und auch die Prei­se für Erd­gas stie­gen dadurch auf ein ähn­li­ches Niveau wie jenes von Biomethan.

Des Pudels war­mer Kern

Ist also viel­leicht Erd­wär­me die Lösung? Die im Unter­grund gespei­cher­te Wär­me ist ein Über­bleib­sel aus der Geburts­stun­de der Erde, die bei ihrer Ent­ste­hung glut­flüs­sig war. „Geo­ther­mie ist das Schwei­zer Mes­ser unter den Ener­gie­for­men“, ist Edith Has­lin­ger vom AIT Aus­tri­an Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy vom Poten­zi­al der Erd­wär­me für Hei­zen, Küh­len, Strom­ge­win­nung und Wär­me­spei­che­rung über­zeugt. Nut­zung und Poten­zi­al der Ener­gie­form lie­gen aber weit aus­ein­an­der, die tie­fer in der Erde lie­gen­de Wär­me ist noch zu über 85 Pro­zent unge­nutzt. Auch die Geo­phy­si­ke­rin Maria-The­re­sia Apo­lo­ner von der Zen­tral­an­stalt für Meteo­ro­lo­gie und Geo­dy­na­mik (ZAMG) glaubt an Geo­ther­mie als Bau­stein für den künf­ti­gen Ener­gie­mix, sieht aber noch vie­le offe­ne For­schungs­fra­gen und Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al (Mehr über das „Schwei­zer Mes­ser“ Geo­ther­mie lesen Sie hier).

Statt auf Wär­me aus der Erde könn­te man auf Abwär­me­nut­zung aus Abwas­ser set­zen, so Joa­chim Kelz, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts für Nach­hal­ti­ge Tech­no­lo­gien AEE. Im Gast­bei­trag „Abwas­ser als zukünf­ti­ge erneu­er­ba­re Ener­gie­quel­le für die Dekar­bo­ni­sie­rung der Ener­gie- und Wär­me­ver­sor­gung“ skiz­ziert er detail­lier­te Kon­zep­te zur Abwär­me­nut­zung aus unter­schied­li­chen Abwas­ser­quel­len. Damit lie­ßen sich in Öster­reich 24 Pro­zent der Gebäu­de umwelt­freund­lich behei­zen – also ein sinn­vol­ler Bei­trag für den umwelt­freund­li­chen Ener­gie­mix der Zukunft.

Darf’s ein bis­serl Atom­strom sein?

Für man­che ist es schwer zu fas­sen, aber auch Atom­strom darf sich als „kli­ma­freund­lich“ und „nach­hal­tig“ rüh­men – das sieht zumin­dest die EU-Kom­mis­si­on vor. Die Erzeu­gung von Strom aus Kern­ener­gie soll in die Taxo­no­mie nach­hal­ti­ger Wirt­schafts­tä­tig­kei­ten auf­ge­nom­men wer­den, wie aus einem Ent­wurf Anfang des Jah­res her­vor­geht. Ist die Atom­ener­gie also der Ret­ter in der Ener­gie­kri­se? Alles nur „mas­si­ves Lob­by­ing“, sind sich Mar­tin Bau­mann und Gün­ther Pau­ritsch von der Aus­tri­an Ener­gy Agen­cy (AEA) einig. War­um die Aus­sich­ten auf eine Rück­kehr zur Atom­kraft nicht gera­de strah­lend sind, erfah­ren Sie hier.

Weni­ger ist mehr

Last but not least sind auch der der Kon­su­ment und die Kon­su­men­tin gefragt, umzu­den­ken und das eige­ne Nut­zungs­ver­hal­ten zu ändern. Denn obwohl die Mög­lich­kei­ten und ihre Aus­wir­kun­gen begrenzt sind, las­sen sich durch klei­ne Ände­run­gen im Ver­brauch, bei­spiels­wei­se eine Dusche statt einem Voll­bad oder die Anschaf­fung ener­gie­ef­fi­zi­en­ter Haus­halts­ge­rä­te, bereits die Kos­ten redu­zie­ren. Im Gast­bei­trag „Die Ohn­macht der Energie-Konsument*innen – oder kön­nen wir doch etwas tun?“ geht Ver­fah­rens­tech­ni­ker Tobi­as Pröll, Pro­fes­sor für Ener­gie­tech­nik und Ener­gie­ma­nage­ment an der Uni­ver­si­tät für Boden­kul­tur, dar­auf ein, wel­che Optio­nen jeder und jede Ein­zel­ne hat, zur Bewäl­ti­gung der Ener­gie­kri­se beizutragen.

Der Win­ter naht – und was dann?

Kei­ne der genann­ten Alter­na­ti­ven wird, aus die­sem oder jenem Grund, bis zum Herbst die Unab­hän­gig­keit von rus­si­schem Erd­gas ermög­li­chen. Panik vor der kal­ten Jah­res­zeit brau­chen aber zumin­dest Pri­vat­per­so­nen kei­ne haben, betont Ange­rer. Soll­te es tat­säch­lich zum „abso­lu­ten Fias­ko“ kom­men, näm­lich lee­ren Spei­chern zu Anbruch der kal­ten Jah­res­zeit, käme es zur Abschal­tung von gro­ßen Abneh­mern, wobei die Strom- und Fern­wär­me-Kraft­wer­ke, Gesund­heits­ver­sor­gung, Nah­rungs­mit­tel­pro­du­zen­ten und die Haus­halts­kun­den wei­ter ver­sorgt wür­den (einen Blick in die Zukunft kön­nen Sie im Bei­trag „Rus­si­sches Gas noch bis min­des­tens 2027 ein Fak­tor“ wer­fen).

Im End­ef­fekt ist es ver­mut­lich eine Mischung der oben genann­ten Tech­no­lo­gien, mit denen sich ein Los­lö­sen vom rus­si­schen Gas­hahn am bes­ten bewerk­stel­li­gen lässt. Doch ob die Poli­tik bereit ist für die Eman­zi­pa­ti­on, ist frag­lich – ein State­ment des Kli­ma­schutz­mi­nis­te­ri­ums war bis Redak­ti­ons­schluss nicht ein­ge­langt, ähn­lich lang­wie­rig dürf­te sich auch die Abna­be­lung von Russ­land gestalten.

Mehr zum Thema

Thema

Mehr zum Thema 

Die Bio-Alter­na­ti­ven zu Erdgas

Erd­gas (Methan) steckt nicht nur in uralten Lager­stät­ten tief unter der Erd­ober­flä­che – und zwar oft in Län­dern mit zwei­fel­haf­ten Regie­rungs­me­tho­den –, son­dern lässt sich auch aus Bio­müll, Klär­was­ser und nicht ess­ba­ren Pflan­zen­res­ten her­stel­len. Das hat vie­le Vor­tei­le, erklä­ren Experten.

mehr
Thema

Mehr zum Thema

„Schwei­zer Mes­ser“ Geo­ther­mie: Viel Poten­zi­al, viel Konkurrenz

Geo­ther­mie gilt als einer der Hoff­nungs­trä­ger der Ener­gie­wen­de. Tat­säch­lich ist der Wärm­ein­halt der Erde groß genug, um theo­re­tisch den glo­ba­len Ener­gie­be­darf zu decken. In der Rea­li­tät gibt es aber noch Hür­den – von der „Unsicht­bar­keit“ über den erneu­er­ba­ren Mit­be­werb bis zu Forschungslücken.

mehr
Thema

Mehr zum Thema 

Was­ser­stoff wird hochgefahren

Im künf­ti­gen CO2-armen Ener­gie­mix der EU aber auch Öster­reichs soll bekannt­lich auch Was­ser­stoff sei­nen Bei­trag leis­ten. Der Auf­bau einer Was­ser­stoff­in­dus­trie könn­te durch die Ener­gie­kri­se beschleu­nigt wer­den, mei­nen vie­le Energieexperten. 

mehr
Thema

Mehr zum Thema

Rus­si­sches Gas noch bis min­des­tens 2027 ein Faktor

Raus aus der Erd­gas­ver­sor­gung durch Russ­land – das will die Poli­tik lie­ber heu­te als mor­gen. Genau das wird aller­dings kaum mög­lich sein, so Franz Ange­rer, Geschäfts­füh­rer der Öster­rei­chi­schen Energieagentur. 

mehr
Thema

Mehr zum Thema 

Rück­kehr zur Atomkraft?

Kli­ma­neu­tra­li­tät durch Atom­ener­gie, geht das? Und soll das über­haupt gehen? Hat die Atom­ener­gie das Poten­zi­al, die Ret­tung der dro­hen­den Ener­gie­kri­se zu übernehmen?

mehr
Stichwörter